
Wüstenstaub & Sternenhimmel: Unsere Chile-Rundreise (2 Wochen im Allrad-Camper)
Aktualisiert am: 13.10.2026
Lesedauer: 15 Minuten
Sternenklare Nächte, entspannte Wildcamping-Regeln und Landschaften, die eher an den Mars als an Südamerika erinnern. Aus diesen Gründen stand Nordchile stand schon ewig auf meiner Bucketlist. Dieses Jahr hieß es endlich: Chile-Rundreise, 2 Wochen im Allrad-Camper! Knapp 2.000 Kilometer sind wir von der Hauptstadt Santiago bis in die unwirkliche Trockenheit der Atacama-Wüste gefahren. Ein Roadtrip voller Staub, kleinen Pannen und Stellplätzen, wo ihr nachts die Milchstraße sehen könnt.
Reisebericht: Unsere Chile-Rundreise (2 Wochen)
Route: Santiago de Chile - Valparaiso & Vina del Mar - Los Molles - La Salera - Vicuna - Caldera & Bahia Inglesa - Taltal - Antofagasto & Mano del Desierto - San Pedro de Atacama & Umgebung - Calama
Santiago de Chile: Street-Art-Paradies mit Blick auf die Anden

Nach zwanzig Stunden Flug stolpern wir aus dem Flughafen in Santiago – zerknautscht, aber von der strahlenden chilenischen Sonne sofort wachgeküsst. Um in Südamerika anzukommen, tauschen wir das Camper-Abenteuer für die ersten zwei Nächte gegen ein gemütliches Airbnb im Barrio Lastarría.
Santiagos Szeneviertel fühlt sich sofort nach Zuhause an: Zwischen bunter Street-Art, Cafés und Marktständen ticken die Uhren hier ein bisschen langsamer als im trubeligen Zentrum.
Meine Highlights in Santiago:
Chile lebt und atmet Street Art. Ein schöner Rundgang startet im Viertel Lastarría und führt euch durch Bellavista, Barrio Italia und Ñuñoa. Zwischendurch findet ihr jede Menge kleine Cafés, Imbissbuden und Vintage-Shops für ein Päuschen.
Das Museo de Bellas Artes befindet sich ebenfalls im Viertel Lastarria und beherbergt über 3000 Kunstwerke und Fotografien. Das prunkvolle Gebäude an sich lohnt sich schon für einen Besuch (der übrigens kostenlos ist).
Fahrt unbedingt auf den Cerro San Cristobal mit einer der Seilbahnen hinauf. Der Blick auf die Anden ist traumhaft schön, vor allem, wenn die Bergspitzen noch von Schnee bedeckt sind. Gut zu wissen: Montags werden keine Fahrten angeboten und die Tickets sollte man am besten online vorbuchen.
Rund um den Plaza de Armas befindet sich das Stadtzentrum von Santiago. Meiner Meinung nach nicht ganz so schön wie die anderen Stadtviertel, aber gut zum Ankommen und Geld abheben. Hier gibt es nämlich jede Menge Bankfilialen. Es schadet nicht, ein bisschen Bargeld dabei zu haben (zum Beispiel für das Trinkgeld an Tankstellen), aber an den meisten Orten war Kartenzahlung kein Problem.
Camper-Übernahme: unser Zuhause für zwei Wochen

Die Abholstation von unserem Vermieter Holiday Rent befindet sich nördlich von Santiago de Chile etwa eine halbe Fahrstunde entfernt. Wir sind etwas zu früh (german Pünktlichkeit), aber dürfen es uns noch im Aufenthaltsraum gemütlich machen und werden sogar mit Obst und Getränken versorgt. Das Besondere an der Station: Ihr dürft hier eine Nacht kostenlos bleiben, bevor ihr mit dem Camper weiterfahrt. Neben Sanitäranlagen und einer Küche gibt es sogar einen Pool, der in den heißen Sommermonaten besonders verlockend ist.
Wir bleiben allerdings nicht über Nacht, sondern wollen direkt Richtung Norden fahren. Vorher gibt's aber eine sehr detaillierte Einweisung. Die Mitarbeiterin erklärt uns geduldig die Camper-Ausstattung, geht auf all unsere Fragen ein und dreht mit uns gemeinsam eine Runde um das Fahrzeug, um eventuelle Schäden anzusehen. Der 4x4-Truckcamper mit der Single-Kabine ist kompakt, aber für zwei Personen absolut ausreichend: Dusche, WC, Küche, Tisch und ein Bett (bzw. zwei, weil man noch die Dinette umbauen kann) sind an Bord und unsere Einrichtung für die nächsten zwei Wochen.
Hier könnt ihr Preise für Camper in Chile vergleichen, euer Abhol- und Rückgabedatum anpassen und mit Filtern das beste Angebot für euch finden. Mein Tipp: In der Nebensaison geben Vermieter bis zu 10 % Rabatt auf den Tagespreis.
Richtung Viña del Mar - mit ein paar Startschwierigkeiten

Einen Tipp hat uns die Mitarbeiterin von Holiday Rent noch mit auf den Weg gegeben: mit dem Camper nicht nach Viña del Mar oder Valparaiso fahren! Hierbei geht es weniger um die Sicherheit, sondern eher um den dichten Stadtverkehr, den wir uns mit dem Wohnmobil lieber sparen sollten.
Also beladen wir unser rollendes Zuhause nach einem Großeinkauf im Supermarkt und steuern einen Campingplatz außerhalb an. Die Fahrt über die Ruta 5 läuft perfekt, die Abendsonne taucht die Landschaft in ein surreales Licht – bis es schlagartig stockdunkel wird. Plötzlich stehen wir auf einer absurd steilen, staubigen Schotterpiste mitten im Nirgendwo. Google Maps hat uns gnadenlos in die Irre geführt. Nach einigem Rangieren und Fluchen im Dunkeln erreichen wir schließlich unser Camping los Árboles Nativos und werden herzlich begrüßt.
Lektion eins für diesen Roadtrip: Fahre in Chile möglichst nicht im Dunkeln. Lektion zwei: Wenn eine kleine Abkürzung mit dem Camper falsch aussieht, dreh lieber direkt um!
Valparaíso: Ein Meer aus bunten Häusern

Der abendliche Stress ist am nächsten Morgen wie weggeblasen. Wir lassen den Camper entspannt stehen und machen uns auf den Weg nach Valparaíso. Ein genialer Move, um dem dichten Stadtverkehr zu entgehen! Ein Meer aus kunterbunten Häuschen klammert sich hier an die steilen Hügel der Küste. Mit historischen Zahnradbahnen (Ascensores) ruckeln wir nach oben zu den Aussichtspunkten.
Mit seinen Straßenschluchten erinnert Valparaíso fast ein bisschen an San Francisco – nur rauer, bunter und voller Weltklasse-Street-Art, die der Stadt völlig zurecht den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes eingebracht hat.
In Valparaíso befindet sich übrigens auch die ehemalige Residenz des Dichters Pablo Neruda. Heute ist das Haus ein kleines Museum mit dem schönsten Blick über die Hafenstadt. Wir setzen uns in eins der vielen kleinen Cafés und bestellen - mit Blick auf die Hafenkräne - ein chilenisches Pulled Pork Sandwich, das (natürlich!) Nerudas Namen trägt.
Wenn ihr noch etwas mehr Zeit habt, liegt Viña del Mar direkt neben Valparaiso. Sie gilt mit ihren Strandbars und Palmen als schicke und aufgeräumte Nachbarstadt, hat für mich aber nicht so viel Charakter wie das bunte Valparaiso. Für uns geht es also zurück Richtung Campingplatz - morgen geht es schließlich schon weiter!
Valle del Elqui: Von der Küste ins Tal der Sterne

Die Panamericana hat ihren ganz eigenen Rhythmus. Während wir über den gut ausgebauten Asphalt gen Norden gleiten, piept der elektronische Maut-Transponder im Camper verlässlich vor sich hin. (Weiter nördlich gibt es übrigens nur noch manuelle Mautstationen, wo man mit Karte oder bar zahlt).
Unser erster Stopp am Meer, Los Molles, empfängt uns mit echtem Nebensaison-Charme. Auf dem herrlich unaufgeregten Campingplatz Chivato machen wir genau das, was man nach einem langen Fahrtag tun muss: Schuhe aus, Füße in den eiskalten Pazifik und mit einem Kaltgetränk den Wellen lauschen.
Nach einem kurzen Großeinkauf in La Serena biegen wir landeinwärts ab ins Valle del Elqui. Die salzige Meeresluft weicht einem trockenen Wüstenklima. Hier fahren wir über die „Ruta de las Estrellas“ (Straße der Sterne) bis nach Vicuña. Was uns in dem kleinen Andendorf erwartet: einer der klarsten Sternenhimmel der Welt, kilometerlange Flächen mit den berühmten Pisco-Trauben und moderne Sternwarten.
Sobald die Sonne untergeht, fallen die Temperaturen auf knackige fünf Grad. Doch der Sternenhimmel über unserem Camper ist so absurd klar, dass wir sogar die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen.
Vicuña: Wandern im Valle del Elqui

Heute geht es hoch hinauf in die Berge: Unten am Hauptplatz von Vicuña startet eine Wanderung, die uns bis in die Hügel oberhalb der Stadt führt. Zuerst geht es an den traditionellen Adobe-Häusern durch die gemütlichen Gassen - und dann immer weiter steil hinauf.
Der Blick auf das Valle del Elqui, die Kakteen und die schneebedeckten Anden ist allerdings eine lohnenswerte Entschädigung. Wandern ist in Chile übrigens gar nicht mal so einfach, weil es keine ausgebauten Wanderwege gibt. Ihr lauft hauptsächlich über kleine Bergpfade, die auch landwirtschaftlich genutzt werden. Das hat aber natürlich auch etwas: Außer einem Huaso, seiner Ziegenherde und ein paar Mountainbike-Fahrern begegnet uns keine Menschenseele.
Nach der Wanderung belohnen wir uns (natürlich!) mit einem Pisco Sour unten im Stadtzentrum. Das geht besonders gut im Chivato Negro, wo es Bier- und Kaffeesorten und manchmal Live-Musik gibt.
Caldera und die Bahía Inglesa: ein Stück Karibik in Chile

Stolze 400 Kilometer spulen wir danach zurück auf der Panamericana Richtung Norden ab. Die Szenerie wechselt beinahe stündlich: Weinreben, Wüstenlandschaften, plötzlich grüne Täler und gigantische Sanddünen – bis vor uns wieder das Meer aufblitzt.
Wir erreichen Caldera und die Bahía Inglesa. Hier leuchtet das Wasser karibisch türkis, die weißen Strände sind fast menschenleer. Wir finden einen Traumspot zum Wildcampen direkt am Playa Mansa. Niemand stört sich an uns. Wir parken den Truck im Sand, kochen mit offener Tür und schauen der Sonne zu, wie sie feuerrot im Ozean versinkt.
Den nächsten Morgen beginne ich mit einem Sprung ins kalte Meer - schließlich sind es nur ein paar Schritte bis zum Wasser.
Taltal & der große Norden: Kurven, Klippen und Küsten-Camping

Mittlerweile haben wir die 1.000-Kilometer-Marke geknackt. Die Fahrt weiter in den sogenannten „großen Norden“ ist fahrerisch ein absolutes Highlight: Auf den letzten 25 Kilometern vor dem verschlafenen Fischerdorf Taltal windet sich die Ruta 1 in engen Kurven die steilen Klippen hinab. Der Blick über die weite Bucht, die von gigantischen Felsflanken eingerahmt wird, zwingt uns direkt zum Anhalten und Staunen.
Wir finden unseren nächsten Schlafplatz an einem frei zugänglichen Küstenabschnitt bei Paposo. Mit dem Rauschen des Pazifiks im Ohr und feinem Sand unter den Allrad-Reifen parken wir unseren Camper direkt am Ozean.
Ein echter Wildcamping-Jackpot: An diesem Strandabschnitt gibt es Grillstellen, Strandduschen und öffentliche Toiletten (die allerdings abends abgeschlossen werden).
Mano del Desierto: eine Hand mitten in der Wüste

Am nächsten Morgen weckt uns das Meeresrauschen. Wir haben eine lange Etappe vor uns, denn heute wollen wir endlich die Atacama-Wüste erreichen! Statt der schnellen Panamericana nehmen wir die kurvige Cuesta Paposo (Ruta B-710) ins Inland. Die Landschaft vorm Fenster wechselt schlagartig: Plötzlich dominiert trockenes, beigefarbenes Niemandsland. In der Ferne sehen wir das gigantische Observatorio Paranal auf einem Berggipfel thronen – eines der wichtigsten Teleskope der Welt.
Etwa 70 Kilometer südlich von Antofagasta taucht plötzlich eine völlig surreale Silhouette am Horizont auf: Die Mano del Desierto. Eine elf Meter hohe Skulptur aus Eisen und Zement, die wie eine riesige Hand aus dem Wüstensand ragt.
Ursprünglich als Mahnmal gegen Umweltsünden erbaut, wirkt sie auf uns heute wie das perfekte Eingangstor in eine völlig andere Welt. Wir machen ein paar obligatorische Fotos und fahren weiter.
Atacama-Wüste: Willkommen auf dem Mars

Auf dem Weg in den tiefen Norden flimmert der Asphalt. Und dann breitet sie sich vor uns aus: die Atacama-Wüste. Über 100.000 Quadratkilometer Trockenheit, Salzseen, Vulkane und eine unglaubliche Weite.
Viele Veranstalter befinden sich in der Stadt San Pedro de Atacama und bieten Kombi-Touren zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten an. Wir finden allerdings, dass man mit Camper auch individuell alles gut auf eigene Faust erkunden kann.
Unsere absoluten Highlights der Wüsten-Tage:
1. Salar de Atacama
Der perfekte Auftakt in der Atacama-Wüste ist der Salar de Atacama, die größte Salzwüste Chiles. Wir steuern die Laguna Tebinquinche an.
Die schneebedeckten Anden spiegeln sich in der glatten Wasseroberfläche, die Salzkrusten am Ufer knacken bei jeder Bewegung und es ist absolut totenstill. Nur ein rosafarbener Flamingo fliegt direkt vor unserer Kameralinse vorbei.
Von hier aus kann man noch ein ganzes Stück weiter in den Süden zur Laguna Chaxa im Reserva de Los Flamencos fahren. Hier ist der Name Programm: Die Chance auf Flamingos ist hoch. Wenn ihr schwimmen (oder eher: baden) gehen möchtet, dann ab zur Laguna Cejar! Hier ist der Salzgehalt so hoch, dass man sich auf dem Wasser treiben lassen kann.
2. Valle de la Luna

Ich weiß ja nicht, wie das Leben aus dem Mars so ist, aber in der Atacama-Wüste bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon. Besonders spektakulär hat sich die Erosion im Valle de la Luna ausgetobt und über Tausenden von Jahren eine wunderschöne Landschaft erschaffen. So ziemlich jeder Wanderweg endet hier mit einem Blick auf Steilwände, Sanddünen und bizarre Felsformationen.
Wir können mit dem Camper in den Nationalpark hineinfahren, müssen uns aber streng an die 20 km/h halten. Von kleinen Parkplätzen aus starten dann kürzere Wanderungen.
Besonders beeindruckend ist der Ckari Viewpoint, denn von dort schaut man auf die Domeyko Mountain Range im Westen, die Lila Range im Süden und die Western Mountain Range im Osten.
Fun Fact: Das Gebiet trug ursprünglich den Namen Las Salinas wegen der großen Mengen an natürlich vorkommendem Salz und Mineralien, wurde dann aber Valle de la Luna für die touristischen Gäste genannt. Ein kleiner Spaziergang führt an den stillgelegten Salzminen vorbei.
3. Valle Arco Irbis

Vom Mondtal geht es weiter in das Regenbogental. Grund für den Namen sind die Vulkangesteine des Domeyko-Gebirges, die sich mit salzigen Schichten und Buntsandstein der Salzkordillere vermischen. Und tatsächlich: Die Berge leuchten in irren rötlichen und grünen Gesteinsfarben.
Die eigentlichen Stars auf der Fahrt hierher sind allerdings die wilden Guanakos (eine Alpaka-Art) und Esel, die geduldig am Straßenrand stehen und uns beobachten.
Und dann passiert das Unmögliche: Regen in der Atacama-Wüste! Eigentlich handelt es sich um eine der trockensten Regionen der Erde. Wir werden gerade Zeugen von einem ganz besonderen Naturphänomen, können uns aber natürlich nicht so richtig darüber freuen. Denn Regen stand in diesem Urlaub definitiv nicht auf unserer Bucket List.

Not macht erfinderisch: Wir fragen direkt an der Einfahrt zum beitragspflichtigen Bereich, ob wir über Nacht auf dem Parkplatz campen dürfen. Kein Problem! Aus der geplanten Wanderung wird ein gemütlicher Filmabend im Camper - inklusive Blick auf die Regenbogenberge. Am nächsten Morgen begrüßt uns ein Eselpärchen, das direkt vor unserem Camper steht. Und: Es ist zwar noch etwas bewölkt, aber kein Regen mehr in Sicht! Also rein in die Wanderschuhe und ab in den Park.
4. Tatio-Geysire und Kaktustal

Die Tatio-Geysire auf über 4.300 Metern Höhe müssen wir wegen Schnee- und Regenfällen leider streichen. Aber unser Plan B ist ein Volltreffer: Im Cañon de Guatín wandern wir zwischen sieben Meter hohen, uralten Kakteen hindurch.
Wenn ihr wirklich gerne wandern geht, dann ist die Schlucht ein einziger Abenteuerspielplatz. Ihr klettert über Felsen, lauft über sandige Trampelpfade und manchmal führt der einzige Weg nur noch durchs Wasser.
Mein persönliches Highlight: Das Baden in den Naturpools und unter den kleinen Wasserfällen. Die Wassertemperatur ist perfekt dafür, denn hier fließen der warme Río Puritama und der kalte Río Purifica zusammen.
5. San Pedro de Atacama und Umgebung

Die Wüstenstadt San Pedro de Atacama ist touristisches Zentrum der Atacama-Wüste und Dreh- und Angelpunkt der Region. Hier gibt es jede Menge Minimärkte, Restaurants, Eisdielen und (ja, leider) Souvenirläden, die alle dasselbe anbieten. Trotzdem hat der Ort sich seinen Charme bewahrt.
Traditionelle Adobe-Häuser säumen die staubigen Straßen und ein bunter Mix aus mittlerweile 5000 Einwohner*innen aus aller Welt sorgt für ein bisschen Trubel.
Am besten ist die Stimmung in der Kneipe Chela Cabur, wo schon mittags unter Fußballtrikots aus aller Welt lokales Bier zu Rockmusik serviert wird. Wunderschön ist der kleine Marktplatz mit der Adobekirche, eine der ältesten Kirchen Chiles. (Die Decke ist mit Kaktusholz verkleidet!)
Vor den Toren der Stadt befindet sich die ehemalige Festungsanlage Pucará de Quitor, die von den indigenen Atacameños im 8. und 12. Jahrhundert zur Verteidigung gebaut wurde. Außerdem führt ein schöner kurzer Wanderweg durch die Quebrada del Diablo (Teufelsschlucht). Ob die leuchtend orangeroten Felsen für den Namen verantwortlich sind? Das finden wir bis zum Ende nicht heraus, aber nach fünf bis sechs Kilometern erreichen wir einen steilen Anstieg. Unbedingt hinaufsteigen, denn der Panoramablick auf das zerfurchte Tal und die Anden ist wunderschön!
Chao, Atacama! Camper-Rückgabe in Calama

Am Vorabend finden wir über die App iOverlander noch den perfekten, einsamen Stellplatz im Kaktustal. Im Windschatten unseres Campers sitzen wir in der ersten Reihe für den wohl schönsten Sonnenuntergang unseres Lebens. Die schneebedeckten Anden leuchten im Hintergrund.
Am nächsten Morgen geben wir unseren Camper nach gut 2.000 Kilometern völlig problemlos am Flughafen in Calama ab. Der kurze Inlandsflug zurück nach Santiago katapultiert uns zurück in die Zivilisation.
Was bleibt, ist der feine Wüstenstaub an unseren Wanderschuhen – und das Gefühl, dass es kaum einen Ort auf der Welt gibt, an dem man sich mit dem Camper so grenzenlos frei und willkommen fühlt wie in der Atacama-Wüste.
Fazit: Warum Chile das ultimative Camper-Paradies ist

Ich war schon an vielen Orten mit dem Wohnmobil unterwegs, aber dieses Gefühl von absoluter, grenzenloser Freiheit habe ich selten so stark gespürt wie in Chile. Das Land ist ein wahrgewordener Traum für Camper*innen: Niemand stört sich daran, wenn man sich abends abseits der Straßen ein Plätzchen im Nirgendwo sucht und einfach bleibt.
Mit Blick auf die schneebedeckten Anden einzuschlafen, das Abendessen bei feuerroten Sonnenuntergängen zu kochen und morgens von wilden Eseln vor der Camper-Tür geweckt zu werden – das sind die Momente, von denen dieser Roadtrip lebt.
Was wir vor unserer Reise allerdings völlig unterschätzt haben, sind die schieren Dimensionen dieses Landes. Die Straßen sind erstaunlich gut ausgebaut (Schotterpisten begegnen euch meist erst tief in der Atacama-Wüste), aber die Distanzen sind gewaltig. Am Ende standen rund 2.000 Kilometer auf unserem Tacho. Das sind über 24 Stunden reine Fahrzeit! Wer hier von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzt, verpasst die Magie.
Damit euer eigener Roadtrip genauso unvergesslich wird und ihr aus unseren Anfängerfehlern lernt, kommen hier meine wichtigsten Tipps zur Vorbereitung:
Nehmt euch Zeit (und unterschätzt die Distanzen nicht): Zweieinhalb Wochen waren für diese Strecke extrem sportlich. Wenn ihr könnt, plant lieber drei bis vier Wochen ein. Fahrt langsamer, tankt rechtzeitig (gerade im hohen Norden werden die Tankstellen seltener!) und macht lieber mal Abstriche bei der Route, anstatt nur im Auto zu sitzen. Eure Zeit ist zu kostbar für Stress.
Clever anreisen: Ein Nachtflug ist Gold wert, um morgens einigermaßen ausgeruht in Santiago zu landen. Spart euch vermeintlich günstigere Flüge über die USA – die langwierige Einreise- und Transitprozedur dort kostet nur wertvolle Urlaubszeit und Nerven.
Die Nebensaison ist euer bester Freund: Zwischen Dezember und März ist chilenischer Sommer (Hauptsaison). Wir waren im September dort und würden es immer wieder tun: Tagsüber hattet wir perfektes Wanderwetter (20 bis 25 Grad) und leere Stellplätze. Wer seinen Mietcamper für die Nebensaison (April bis Oktober) frühzeitig bucht und vergleicht, kann außerdem ordentlich Geld sparen – oft winken bis zu 10 % Rabatt auf den Tagespreis.
Packt weich und im Zwiebelprinzip: Lasst sperrige Hartschalenkoffer zwingend zu Hause! In einem kompakten Allrad-Camper ist dafür absolut kein Platz. Ein großer, weicher Backpack ist die beste Wahl. Packt ihn vielseitig: Tagsüber herrscht T-Shirt-Wetter, aber nachts kühlt es in der Wüste teilweise auf 5 Grad ab. Ein warmer Schlafanzug, ein dicker Pulli und eine winddichte Fleecejacke gehören auf jeden Fall auf eure Packliste.
Hier seht ihr nochmal unsere Route mit all unseren Camping-Spots in Chile auf einen Blick - sowohl offizielle Campingplätze als auch Stellplätze zum Wildcampen.
<b>Service-Teil & FAQ</b>Noch mehr Fragen rund um meine Atacama- & Chile-RundreiseIhr plant eure eigene Reise? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Campen, die Route und die Besonderheiten in Nordchile.
Wann ist die beste Reisezeit für die Atacama-Wüste?
Welche Kleidung brauche ich für die Atacama-Wüste?
Thema Höhenkrankheit: Wie gefährlich ist die Höhe in der Atacama?
Wie viel kostet ein Chile-Urlaub mit dem Camper?
Brauche ich in Chile eine SIM-Karte?
Ist das Fahren (und Wildcampen) in Chile sicher?
Brauche ich einen Allrad-Camper für Nordchile?
Ist Wildcampen in Chile erlaubt?
Gibt es in Chile auch richtige Campingplätze?

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