Bulli-Abenteuer Island – Interview mit Reisefotograf Peter Gebhard

von Alex
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Ihr interessiert euch für eine Camper-Tour durch Island? In unserem Interview mit dem Reisefotografen und Island-Liebhaber Peter Gebhard sprechen wir über seine Must-Sees nach über 30 Jahren Reisen nach Island, Tipps und Tricks für die Reise-Fotografie und das Reisen mit seinem Oldtimer-Bulli Erwin.

Deine erste Island-Reise liegt über 30 Jahre zurück. Seitdem warst du häufig dort. Was hat dich jetzt zu dieser besonderen Reise inspiriert?

Nach fast 30 Reisen in dieser Zeit wollte ich Island eigentlich noch einmal so richtig entschleunigt erleben. Ende der 1980er-Jahre besaß ich als junger Fotografie-Student für das Reisen viel Zeit, viel Leidenschaft, aber meist wenig Geld. Häufig bin ich damals, als Island noch längst nicht so populär war, getrampt. Da stehst du manchmal mitten in der Pampa für Stunden im Nieselregen und wartest, fragst dich oft, warum du dir das hier antust. Und dann wirst du plötzlich mitgenommen, lernst spannende Leute und Geschichten kennen. Mit meinem 44-PS-starken T1-Bulli Erwin ging’s auch nur ganz langsam voran, es ist weit weg von der Komfortzone, aber du siehst einfach viel mehr und viel Neues.

© Peter Gebhard

Welche Route hast du genommen?

Mit dem Auto gibt es nur eine sinnvolle Möglichkeit nach Island zu gelangen, nämlich mit der Fähre vom dänischen Hirtshals über die Färöer-Inseln zum ostisländischen Hafen Seydisfjördur. Als wir dort ankamen, war durch lange Regenfälle, Schneeschmelze und Orkanböen die Ringstraße Richtung Süden für ein paar Tage unpassierbar. Der eigentliche Plan funktionierte schon am Ankunftstag nicht mehr. Auf Island musst du dich und deine Route, wenn irgendwie möglich, einfach dem Wetter anpassen und das ist extrem unberechenbar, hat aber auch immer tolle positive Überraschungen zu bieten. Wir waren darum erst einmal drei Wochen im Norden, sind dann weitere drei Wochen in den Westfjorden herumgetuckert, erst später ging es in den Süden. Insgesamt waren wir – mein Assistent Daniel, mein Bulli Erwin und ich – ein knappes halbes Jahr vor Ort.

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Zu welcher Jahreszeit warst du auf Island?

Für die Produktion waren wir von Mai bis Oktober auf Island, für die Nachrecherche nochmals im kommenden Jahr im Mai/Juni. Angesichts des stets wechselhaften und oft ziemlich extremen Wetters ist auf Island der Begriff „Jahreszeit“ nur bedingt aussagefähig. Hab schon so ziemlich alles dort erlebt: Mitte März im Blizzard in den Westfjorden in einer Schneewehe festgesessen, spätsommerliche 26 Grad Mitte Oktober im Hochland, zehn Tage konstanter Nebel in Strandir in den Westfjorden. Hat aber auch seinen Reiz, wenn man etwas Zeit besitzt!

Wie hast du deine Übernachtungen während der Tour organisiert? Hast du hauptsächlich auf Campingplätzen genächtigt oder auch wild gecampt?

Wild campen ist im Gegensatz zu Schweden (Jedermannsrecht) offiziell auf Island nicht erlaubt. Wir haben oft auf eher unbekannteren Campingplätzen abseits der Ringstraße übernachtet, im Hochland mangels Alternative nach einer Bergtour auch mal wild gecampt, wobei wir immer zwei Optionen besaßen: die umgebaute Rückbank in meinem Bulli und mein geliebtes Hilleberg-Expeditionszelt. Oft haben wir, ob in Reykjavik, auf Snaefellsnes oder in den Westfjorden, bei einigen meiner Freunde übernachtet. Das läuft dann immer sehr spontan ab, typisch isländisch. Vorplanung wie in Deutschland praktisch sinnlos!

© Peter Gebhard

Und welcher war der schönste Campingplatz auf Island?

Ganz schwierig zu beantworten. Aber einer meiner absoluten Favoriten liegt ganz draußen in den Westfjorden nahe Latrabjarg bei meinen isländischen Freunden am Gehöft Melanes. Das Wetter ist dort oben zwar meistens eher bescheiden, fast immer regnerisch, windig oder neblig, aber die Szenerie mit dem schier endlosen Sandstrand von Raudasandur und den gigantischen Vogelklippen im Hintergrund ist einfach atemberaubend.

Hier kommt ihr zum Campingplatz: melanes.com

Gibt es bei der Ausrüstung Must-Haves auf Island?

Natürlich kannst du auf Island auch mal zwei Wochen Top-Wetter ohne einen Regentropfen haben, aber wenn das Wetter kippt, geht‘s vor allem an den Küsten ordentlich zur Sache! Sehr gute regenfeste Allwetterjacke , festes Schuhwerk, das bereits eingelaufen ist und für Touren abseits der Straßen in die Berge unbedingt Erfahrung im Gelände mit Orientierung (Nebel!) und Verhalten in Notsituationen.

Welche Vorbereitungen hast du vor der Reise getroffen?

Neben Profi-Zelt und Schlafsäcken, Rucksäcken und zwei Kochern hatten wir natürlich ganz viel Foto-Equipment dabei: Zwei Drohnen von DJI, zwei Nikons, eine Lumix, aber ich mache inzwischen auch ganz viel mit dem Smartphone, vor allem in Interview-Situationen. Darüber hinaus hatten wir natürlich so einiges an Ersatzteilen für meinen Bulli Erwin dabei: einen alten Anlasser, Zündkerzen, Ersatzreifen, Sicherungen, Birnen etc. Aber auch Schneeschaufeln und Matten, um aus Sandlöchern im Hochland wieder herauszukommen.

Du machst fantastische Fotos! Hast du einen liebsten Foto-Spot auf Island? Gibt es darüber hinaus Must-Sees?

Wichtig ist es, an tollen Orten zu sein, wenn niemand da ist, also ganz früh oder sehr spät, wo ohnehin das Licht oft am spannendsten ist. Mein Coverfoto mit Erwin vor der Gletscherlagune entstand morgens um 3 Uhr. Bis kurz vor Mitternacht hatte es geregnet, die Touristen waren weitergefahren oder hatten sich längst in ihre Wohnmobile verzogen. Ein bisschen lokale Wetterkenntnis, ein bisschen Ausdauer, ein bisschen Glück mit dem Timing, dann kommen gute Fotos zustande. Ich persönlich finde die gesamte Küste Islands inklusive der majestätischen Westfjorde eigentlich viel spannender als das eher monotone Hochland. Ausnahme: Das Vulkangebiet von Landmannalaugar mit seinen farbigen Bergen und Lavaströmen.

© Peter Gebhard

Und ist auch schon mal etwas so richtig schiefgelaufen?

Wenn du mit einem Oldtimer wie einem alten VW Bulli unterwegs bist, geht immer irgendetwas schief. Das ist nur eine Zeitfrage. Aber letztlich ist alles Mechanik, das ist ein Riesenvorteil! Das krasseste war wohl damals im Juni kurz vor dem Kap Latrabjarg, als uns beim Abfahren einfach der Steuerknüppel abbrach. Über Freunde konnte ich einen Schrauber aus dem 50 Kilometer entfernten Hafen kontaktieren, der drei Stunden später – es war kurz nach Mitternacht und hell – ankam und unter den Bulli kroch. Nach zehn Minuten robbte er wieder heraus und meinte, er hätte nun den dritten Gang eingestellt, so könnten wir zumindest provisorisch bis in seine Werkstatt fahren! Den Schaltknüppel schweißte er am nächsten Tag wieder zusammen, er hält bis heute bombenfest!

Wo geht es mit dir und Bulli Erwin als Nächstes hin?

Seit Frühjahr 2023 bin ich an meiner neuen Produktion „360° Deutschland“, bei der ich mit Bulli Erwin Deutschland entlang seiner Küsten und Grenzen einmal umrunde. Über die Hälfte ist nun geschafft, ist bislang auch extrem spannend und vielseitig – man muss nicht immer so weit wegfahren!

Lieber Peter, vielen lieben Dank für deine Zeit! Wir sind gespannt auf alles, was kommt.

Hier könnt ihr noch mehr über Peter und Erwin erfahren: peter-gebhard.de

Titelbild: © Peter Gebhard

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