
Islands Hochland mit dem Camper: die schönsten Highlights und Routen für Selbstfahrer
Aktualisiert am: 13.03.2026
Lesedauer: 8 Minuten
Stellt euch vor: kein Asphalt, türkisfarbene Gletscherseen und Landschaften, die wie auf dem Mars wirken. Islands Hochland ist kein Reiseziel für Leute, die auf Nummer sicher gehen wollen, sondern eins für Outdoor-Fans und Adrenalin-Junkies. Das klingt genau nach euch? Wir verraten euch, ob ihr Islands Hochland auch ohne Allrad befahren dürft, welche Reisezeit die Beste ist und welche Routen die schönsten Highlights zu bieten haben.
Islands Hochland ohne Allrad - geht das?
Bevor wir in die schönen Dinge einsteigen: Lasst uns kurz einen Punkt ansprechen, der über alles entscheidet. Islands Hochland wird von sogenannten F-Straßen durchzogen - Schotterpisten, schmal, steinig, teilweise mit echten Wasserdurchfahrten. Ein normaler Mietcamper kommt da schlicht und einfach nicht durch. Und selbst, wenn er irgendwie durchkäme: Ohne Allrad verliert ihr bei den Vermietern sofort euren Versicherungsschutz, und dann wird es richtig teuer.
Kurzgesagt: 4x4 ist Pflicht, kein Nice-to-have. Islands Hochland könnt ihr also nicht ohne Allrad bereisen.
Auf CamperDays könnt ihr direkt nach „Allrad“-Fahrzeugen filtern - von kompakten Vans mit Dachzelt bis zu größeren Wohmobilen. Schaut unbedingt in die Mietbedingungen, welche Straßen explizit freigegeben sind. Das spart euch Stress (und Geld)!
Gut zu wissen: Die beliebte Ringstraße könnt ihr das ganze Jahr über auch ohne einen Allrad-Camper bereisen, denn sie ist durchgehend asphaltiert.
Kann ich das Hochland in Island auch noch im September befahren?

Ob die Hochlandpisten in Island im September noch geöffnet sind, hängt von der Wetterlage ab. Die F-Straßen schließen meist Mitte bis Ende September, wenn die ersten Schneeflocken fallen. Mein ehrlicher Tipp: Wenn Islands Hochland auf eurer Liste steht und ihr es wirklich sehen wollt, plant auf Juni bis August. In diesem Zeitfenster ist das Wetter am verlässlichsten.
Aber selbst im Hochsommer gilt: Das isländische Wetter macht, was es will. Sturm kann Straßensperrungen verursachen - von heute auf morgen, ohne große Vorwarnung. Schaut am besten immer am Vorabend auf die aktuellen Straßenbedingungen.
Schlafen unterm Hochlandhimmel?
Es gibt Hütten im Hochland; manche erlauben auch eine Übernachtung mit Zelt oder Camper. Aber erwartet keine Komfortcampingplätze mit Duschen und Co - das hier ist rustikal, ursprünglich und wild. Stellt sicher, dass ihr gut ausgestattet seid, bevor ihr losfahrt.
Die meisten Routen lassen sich auch als Tagestrip fahren, mit der Übernachtung auf einem der gut ausgestatteten Campingplätze entlang der Ringstraße. Auch keine schlechte Option.
Islands Hochland: Die schönsten Highlights und Routen
Fjallabaksleið nyrðri (F 208): "Der nördliche Pfad hinter den Bergen"

Diese Route durch Islands Hochland hat uns wirklich umgehauen. 84 Kilometer, die sich von West nach Ost durch eine Landschaft ziehen, die sich anfühlt, als hättet ihr die Erde verlassen. Die Route beginnt im Nordwesten beim Kraftwerk Sigalda am See Hraunyeyalón und endet im Südosten bei Búland, wo sie auf die Straße 208 stößt.
Teilweise erreicht die Piste eine Höhe von 500 bis 1000 Metern und führt durch eine Landschaft von bizarrer Schönheit. Das Lavafeld Sölvrahaun nördlich des Hekla-Vulkans - schwarz, rissig, mit Kratern übersät - wirkt fast ein bisschen wie das Ende der Welt. Fast apokalyptisch, aber auf eine faszinierende Art und Weise. Und dann, kurz bevor man denkt, es kann nicht schöner werden: die Rainbow Mountains. Islands größtes zusammenhängendes Rhyolith-Gebiet, rund 400 km², leuchtend in allen möglichen Farben. Ihr habt bestimmt schon Bilder davon gesehen, aber glaubt mir - kein Foto der Welt macht das wirklich wett.
Mein Tipp: Startet auf der südlicheren Route über den Frostastaðavatn-See, bevor ihr auf die F 208 wechselt - die ersten 47 Kilometer sind noch einmal eine eigene Welt.
Kaldidalur (F 550): „Das kalte Tal“

Die Piste F 550 Kaldidalsvegur ist nur 40 Kilometer lang, aber was für 40 Kilometer! Die Route führt euch zwischen zwei Gletschern hindurch - dem mächtigen Langjökull im Osten und den vergletscherten Ok im Westen - auf bis zu 700 Metern Höhe.
Am Ende der Route wartet Húsafell, eins der beliebtesten Wochenendziele der Isländer*innen. Wenn ihr einmal dort seid, versteht ihr auch sofort warum. Spazierwege, Blick auf die Berge, Bäume weit und breit. Hier befindet sich sogar ein großer Campingplatz, wo ihr euer Zelt aufschlagen oder den Mietcamper parken könnt. Von hier aus startet ihr zu Abenteuern auf dem Langjökull-Gletscher oder zu den Lavahöhlen Surtshellir und Stefánshellir. (Beide sind nördlich des Orts an der Straße Nr. 518 zu finden; die Piste dorthin ist ausgeschildert und mit einem Camper befahrbar.)
Sprengisandsleið (F 26): die größte Steinwüste Islands

Diese 250 Kilometer lange Piste (F 26) verläuft vom Hof Mýri im Norden bis ins Tal Þjórsárdalur im Süden. Mitten durch die größte Steinwüste Islands. Wenn ihr irgendwo in Island das Gefühl bekommt, wirklich allein auf dieser Erde zu sein, dann hier.
Die Sprengisandur-Wüste zieht sich zwischen dem Gletscher Höfsjökull und dem Tungnafellsjökull über 70 Kilometer hin. Schwarzes Lavagestein, so weit das Auge reicht. Und dann, irgendwann am Horizont, taucht der drittgrößte Gletscher des Landes wie eine Fata Morgana am Horizont auf.
Am Rande des Gletschers liegt das Naturschutzgebiet Þjórsárver, ein Feuchtgebiet mit typischer Moorvegetation, Seen und Tümpeln. Mindestens genauso schön ist das Tal Nýidalur an der Südseite des Gletschers Tungnafellsjökull. Obwohl es 800 Meter hoch liegt, ist es überraschend grün, wahrscheinlich der höchste Punkt des Landes mit blühenden Wiesen. Und wer noch weiter will: Die geothermische Zone am Berg Eggja auf 1.271 Metern Höhe ist surreal schön.
Öldufellsleið syrðri (F 232): unterwegs zum grünen Vulkan

Es gibt Orte in Island, die sehen aus, als hätte sie jemand erfunden. Der Mælifell ist so einer. Ein fast perfekt geformter Vulkankegel, leuchtend grün bemoost, mitten in einer schwarzen Sandwüste zwischen Mýrdalsjökull und Torfajökull. Und die F232 bringt euch genau dorthin, ohne die berüchtigten tiefen Furten der Nachbarrouten. Wer oben auf dem Mælifell steht und sich zum Gletscher und den schwarzen Sanden umdreht, erlebt einen der beeindruckendsten Ausblicke Islands.
Highlight Nummer 2 auf dieser Route: die Querung direkt am Wasserfall Bláfjallafoss – eine der ikonischsten Stellen aller isländischen Hochlandstraßen.
Ein ehrlicher Hinweis: Die F232 ist einsam. Wirklich einsam. Ladet euch die 112 Iceland App herunter und gebt eure Koordinaten durch, bevor ihr euch auf den Weg macht.
Öskjuleið (F 88): Baden in Kraterseen

Diese 300 Kilometer lange Route ist für drei Tage gemacht - und ihr werdet froh sein, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Denn: Diese Strecke verbindet ganz viele Highlights in Islands Hochland.
Die Piste beginnt rund 40 Kilometer östlich von Mývatn und führt durch Ódáðahraun, Islands größte Lavawüste mit einer Gesamtfläche von 4500 km². 5000 Jahre alte Lava, Sand, Schotter und monolithisch aufragende Tafelberge prägen ihr Gesicht. Und dann, mitten in dieser Einöde, erreicht ihr Herðubreiðarlindir - eine grüne Oase.
Das absolute Highlight in Islands Hochland: die Askja-Caldera mit dem türkisblauen Viti-Kratersee. Sie entstand vor rund 6000 Jahren und ist ein fast kreisförmiger Einsturzkessel mit einem Durchmesser von unglaublichen 8 Kilometern. Den besten Überblick über Askja habt ihr vom Porvaldstindur (1510 Meter) am Südrand des Dyngjufjöll. Übrigens: Trotz des schwefligen Geruchs genießen viele das Bad in dem warmen, milchigen Wasser des Kratersees. Na, traut ihr euch…?
Plant unbedingt eine Wanderung in die Schlucht Drekagil ein. Die bizarren Lavaformationen erinnern an Drachenköpfe und sind etwas, dass ihr so schnell nicht wieder sehen werdet.
Um zur Hütte Sigurðurskáli zu gelangen, geht es zunächst rund 20 Kilometer zurück und dann auf der F 910 nach Osten. Kurz nach der Brücke über die Jökulsá á Fjöllum führt eine Spur nach Süden, die F 902. Von dort aus geht es weiter zu den Eishöhlen am Kverkfjöll - gebildet durch heiße Quellen direkt am Gletscherrand. Von der Hütte auf 1.840 Meter, mit Panoramablick über das gesamte Hochland.
Die Rückfahrt führt über die östlichere Piste F 903, auf der ihr nach rund 15 Kilometern stoßt. Sie bringt euch zu einer anderen Oase, Hvannalindir, wo ihr die Kreppa überquert und nach 10 Kilometern wieder auf die F 910 gelangt, der ihr nach Norden folgt. Etwa 60 Kilometer sind es nun noch bis zur Ringstraße. Nachdem ihr an den beiden Bergen von Arnardalsfjöll vorbei seid, biegt die F 910 nach Osten, und ihr fahrt auf der F 905 weiter. Legt einen Stopp in Möðrudalur, dem höchstgelegenen Hof Islands, ein. Hier könnt ihr eine Rast im Café machen und noch einmal die Aussicht auf Herðubreið und Kverkfjöll genießen. Bis vor wenigen Jahren führte die Ringstraße hier vorbei, nun hat man sie weiter nach Norden verlegt. Über die alte Straße und dann wieder weiter über die Ringstraße geht die Rückfahrt nach Akureyri, vorbei am Mývatngebiet.
Fazit: Islands Hochland mit dem Camper
Egal für welche Route ihr euch entscheidet: Islands Hochland ist ein Traum für alle, die Outdoor-Abenteuer lieben - ohne Kompromisse. Aus dem Grund ist ein Allrad-Camper ein Muss. Mietstationen findet ihr in Keflavík nahe des Flughafens, vergleicht vorab Preise, um den passenden (und einen günstigen) Camper zu finden.
Wenn ihr zwischen Juni und August unterwegs seid, könnt ihr sicher sein, dass ihr viele Highlights auf der Route ansteuern könnt. Außerhalb der Hochsaison kann es schwieriger werden, dann unbedingt vorab checken, ob die Hochlandpisten geöffnet sind. Falls nicht, könnt ihr immer noch auf die Ringstraße ausweichen, die grundsätzlich das ganze Jahr über geöffnet ist. Auch interessant sind die Westfjorde im Nordwesten des Landes - mehr Infos dazu gibt es in unserem Artikel.

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