
Darf man in der Schweiz wild campen? Das sind meine Erfahrungen und Tipps
Aktualisiert am: 05.01.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Bevor unser Kollege Frieder mit seiner Familie in die Schweiz gefahren ist, hatte er ganz viele Fragen: Darf man in der Schweiz wild campen? Wie teuer ist Camping in der Schweiz? Und ist Camping mit Hunden in der Schweiz easy oder eher schwierig? Nach mehreren Wohnmobilreisen in die Schweizer Alpen sind er und seine Familys echte Profis, was das Freistehen angeht. In diesem Artikel hat er die wichtigsten Infos für euch zusammengefasst.
1. Rechtliche Sicht: Darf man in der Schweiz wild campen?

Das Freistehen in der Schweiz ist rechtlich nicht einheitlich geregelt. Ob ihr außerhalb von Camping- oder Stellplätzen in der Schweiz wild campen dürft, kann von Region zu Region unterschiedlich sein. Es gibt Kantone oder Gemeinden, in denen das Freistehen mit dem Camper verboten ist, in anderen Regionen dagegen ist es ausdrücklich erlaubt. Falls keine speziellen Gesetze oder Verordnungen existieren, wird eine Übernachtung im Ausnahmefall meist geduldet. Die Kommunen haben die Hoheit über ihre Parkplätze und können eigene Regeln erlassen. Deshalb solltet ihr euch vor Ort immer erkundigen und die Grundstückseigentümer*innen im Zweifel um Erlaubnis fragen.
Bei solchen Schildern gibt es wenig Interpretationsspielraum, auch wenn der Platz noch so schön erscheint. Wenn euch vor Ort nicht andere Camper*innen berichten, dass sie dort schon eine problemlose Nacht hinter sich haben, dreht lieber um und sucht euch ein anderes Plätzchen. Das ist viel angenehmer als gegen 22 oder 23 Uhr eine Diskussion mit der Obrigkeit zu haben, die an die Tür klopft.
Parkplätze und Raststätten

Auf öffentlichen Parkplätzen und Raststätten wird eine einmalige Übernachtung unter bestimmten Bedingungen oft geduldet. Achten dabei immer auf die örtlichen Vorschriften und stellt den Camper in einem offiziellen Parkfeld ab. Tische, Stühle oder anderes Camping-Equipment muss im Wohnmobil bleiben. Schließlich handelt es sich nur um eine kurze Übernachtung und nichts ums Camping.
An Rastplätzen entlang von Nationalstraßen sind die Parkplätze meist weiß markiert. Diese Stellplätze sind oft kostenlos und ohne zeitliche Begrenzung nutzbar. Sie sind in erster Linie zur kurzfristigen Erholung gedacht. Auch hier gilt: Das Fahrzeug muss ins Parkfeld passen, und es ist jegliches Campingverhalten zu unterlassen. Nach der Nachtruhe solltet ihr also weiterfahren.
Sechs goldene Regeln zum Freistehen in der Schweiz
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Freistehen in der Schweiz oft geduldet wird – vorausgesetzt ihr haltet euch an diese Regeln:
Seid respektvoll und vergewissert euch immer, dass das Freistehen auch wirklich in Ordnung ist. Fragt im Zweifel bei Privatpersonen nach, achtet auf Beschilderungen und schaut, was andere Reisende machen.
Das Hinterlassen von Müll, Grauwasser oder gar Toilettenkassetten-Inhalten ist ein absolutes No-Go. Wartet mit der Entleerung so lange, bis ihr auf einem offiziellen Campingplatz steht oder fahrt explizit Entsorgungsstationen an (zum Beispiel in vielen Ländern an Raststätten oder Tankstellen).
Markise, Campingstühle und Tische bleiben im Zweifel im Wohnmobil. Ausnahme: Absolute Einsamkeit und viel Platz, es stehen schon zehn andere Camper da oder ihr habt von Einheimischen die Info bekommen, dass das das Freistehen kein Problem ist.
Bezahlt Parkgebühren direkt nach eurer Ankunft und achtet darauf, dass euer Wohnmobil innerhalb der Parkmarkierung steht. Bei größeren Wohnmobilen könnt ihr euch durch das rückwärts Einparken und einer Wiese hinter dem Parkplatz zumindest mit den vier Rädern und im Asphaltbereich “passgenau auf die Parklücke mogeln”. Wenn der Aufbau über der Wiese hängt und dort niemanden behindert, wird das oft akzeptiert.
Parkt niemals auf Zufahrten, die Rettungswege oder die Arbeitswege von Land- und Forstwirtschaft blockieren könnten – selbst dann nicht, wenn es sich um ganz kleine Gassen handelt. Teilweise beginnen schon früh am Morgen die Arbeiten und blockierte Wege sorgen für großen Ärger.
Kauft regionale Lebensmittel auf Bauernhöfen, Almen, Verkaufsständen und Dorfläden und überweist Kurtaxe an die Gemeinde, in der ihr übernachtet (ob eine erhoben wird, findet ihr auf Schildern und Internetseiten). Erzählt darüber aktiv den Einheimischen, denn das erhöht die Akzeptanz eurer Übernachtung in dem Ort ungemein!
Schöne Orte, wo man in der Schweiz gut frei stehen kann

An diesen hohen Alpenpass-Straßen durften wir mit dem Wohnmobil in der Regel kostenfrei im Bereich Passhöhe sowie entlang der Passstraße oberhalb der Baumgrenze stehen:
Oberalppass: 2.046 m
Furkapass: 2.429 m
Berninapass: 2.328 m
Sustenpass: 2.224 m
Nufenenpass: 2.478 m
Gotthardpass: 2.106 m
Orte, wo das Frei stehen in der Schweiz verboten oder stark reglementiert ist

In den folgenden Regionen stehen an so gut wie jedem potenziellen Stellplatz Verbotsschilder für Wohnmobile, die gemäß Hören-Sagen und Internet-Kommentaren auch durchgesetzt werden:
Grimselgebiet inkl. Gadmertal
Jungfraugebiet
Oberengadiner Seenplatte
Grimselpass (kostenpflichtig aber möglich)
Hoch-Ybrig
Gemeindegebiet Andermatt-Hospenthal-Realp
Wichtig: In all diesen Gebieten könnt ihr wunderschöne Stellplätze und Campingplätze finden; diese sind extra ausgewiesen und kostenpflichtig.
So findet ihr Plätze zum Freistehen in der Schweiz
Lest Bewertungen und Kommentare in den Apps Park4Night, Stellplatzradar und Google Maps. Hier bekommt ihr oft schon Hinweise darauf, ob das Wild Campen in der Schweiz erlaubt ist.
Kalkuliert in unbekannten Gebieten ein bis zwei Stunden für die Platzsuche ein. Sucht euch am besten drei bis vier Plätze mit einer Priorisierung heraus, die ihr nacheinander anfahrt.
Eine Faustregel: Je geringer die Besiedlungs- und Infrastrukturdichte, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihr einen Platz für eine Nacht findet.
Oberhalb der Baumgrenze (ab ca. 180 Metern Seehöhe) wird das Frei stehen besonders häufig toleriert.
Viele schöne, einsame Stellplätze sind nur über enge Bergstraßen erreichbar. Für eine stressfreie Art kann es hilfreich sein, sich am Busfahrplan zu orientieren. Denn auf so einer Straße folgt man lieber dem Bus, als dass man ihm im Gegenverkehr ausweichen muss!
2. Camping in der Schweiz: Infos zu Kosten und Spar-Tipps
Wie könnt ihr beim Übernachten in der Schweiz sparen?

Eins haben wir auf unserer Wohnmobil-Tour in den Alpen gelernt: Die Schweiz ist kein billiges Reiseland. Am höchsten sind die Aufschläge im Vergleich zum deutschen Preisniveau für Hotelübernachtungen und das Essen im Restaurant. Glücklicherweise habt ihr im Camper die Möglichkeit, die Preise zu reduzieren:
Viele Mietwohnmobile sind mit einer richtigen Küche ausgestattet. Hier könnt ihr ganz entspannt kochen und so teure Restaurantbesuche reduzieren.
Ihr könnt das Wohnmobil schon Zuhause mit Basics wie Nudeln, Reis, Pesto, Tomatensauce, Gemüsebrühe, Brot, Aufstrichen, Gewürze, Tee und Kaffee ausstatten. So habt ihr alles immer griffbereit und müsst in der Schweiz nicht so viel einkaufen gehen.
Für Frischeartikel unterwegs sind regionale Bauernläden sowie Supermärkte eine kostengünstige Möglichkeit. Hier müsst ihr zwar mit 10-20 % höheren Preise als zu Hause rechnen, bekommt aber in der Regel auch höherwertige Lebensmittel. Der regionale Einkauf im Bauern- oder Dorfladen hilft den Bewohnern der Dörfer und Täler, ihre lokale Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Sie sind teils 7 Tage die Woche von früh bis spät geöffnet mit Self-Service-Kasse auf Vertrauensbasis.
Keine große Überraschung: Das Übernachten ist am günstigsten auf einem kostenlosen freien Stellplatz. Wir haben als vierköpfige Familie immer zwei bis maximal drei Nächte auf freien Stellplätzen ohne Infrastruktur geschlafen. Spätestens am vierten Tag haben wir dann auf einem offiziellen kostenpflichtigen Campingplatz übernachtet, um legal und umweltfreundlich Grauwasser und Toilette zu leeren, Frischwasser zu tanken und (wenn nötig) Landstrom zu nutzen. Auch neue Gasflaschen sind auf solchen Campingplätzen oft erhältlich.
Und was kostet jetzt Camping in der Schweiz?

Folgende Preise müsst ihr in der Schweiz für die Übernachtung im Wohnmobil einkalkulieren:
Frei stehen in der Schweiz: kostenlos, aber keinerlei Infrastruktur
Einfacher Wohnmobilstellplatz: 10-30 CHF pro Nacht. Teilweise gibt es Toiletten oder Frischwasser, eher selten sind externe Duschen und Stationen zur Entleerung von Abwasser und Toilettenkassetten.
Einfacher Campingplatz: 30-50 CHF pro Nacht für Wohnmobil und vier Personen (zwei Erwachsene, zwei Jugendliche). Hier ist in der Regel die komplette Infrastruktur fürs Wohnmobil vorhanden.
Luxuriöser Campingplatz: An beliebten Destinationen und mit gehobener Ausstattung ist die Preisliste nach oben offen, für ein Wohnmobil mit vier Personen ist man schnell bei über 100 CHF pro Nacht, dafür gibt es dann aber Aufenthaltsräume, Swimmingpools/Jacuzzi, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants vor Ort.
3. Camping mit Hunden in der Schweiz

Mit Hund: frei stehen, Stellplatz oder Campingplatz?
Mit unserem Retriever Johnny haben wir es auf abgelegenen oder einsamen Stellplätzen immer etwas einfacher gehabt als auf Campingplätzen. Auf den offiziellen Campingplätzen stehen die Wohnmobile sehr eng beieinander und wir mussten beim Gassigehen immer wieder darauf achten, dass das Geschäft nicht gerade auf der Nachbarparzelle verrichtet wird. Da ist es bei Stellplätzen oder beim Frei stehen viel einfacher - schließlich habt ihr hier die freie Natur direkt vor der Tür. Natürlich gehört auch Hundekot zum Müll, den man nirgends zurücklässt, also ausreichend Tüten mitnehmen und immer in Mülleimern entsorgen.
Wichtig: Prüft bei der Stellplatzwahl, ob Hunde erlaubt sind, die App Park4Night hat dafür sogar einen eigenen Filter. Wir fanden es absolut OK, dass einzelne Campingplätze Hunde nicht gestatten, schließlich gibt es Allergiker*innen oder Urlauber*innen, die Respekt vor Hunden haben. Allerdings können wir euch beruhigen: Ein Verbot gilt nur für einen sehr kleinen Teil der Schweizer Campingplätze.
Eine lange Schleppleine hat uns immer gute Dienste geleistet. Die könnt ihr wunderbar am Fahrradträger hinten am Heck oder an einem stabilen Teil des Fahrzeugrahmens an der Front befestigen. So rennt euer Hund nicht auf die Straße, kann die kühle Bergluft genießen und bleibt auf Distanz zu den Nachbar*innen und anderen Hunden. Wir haben uns dann teilweise ins warme Wohnmobil zurückgezogen und ein Fenster aufgelassen, wenn es Johnny drinnen zu warm war.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Für Regentage ausreichend alte Handtücher mitnehmen und Toleranz für den Geruch “nasser Hund” im Wohnmobil mitbringen. ;)
Mit dem Hund sicher auf Weiden unterwegs

Dieses Jahr haben wir bei unseren Bergwanderungen auch Bekanntschaft mit Herdenschutzhunden gemacht. Damit schützen die Schäfer ihr Vieh vor Wölfen, die in den Alpen immer öfter unterwegs sind. Hinweisschilder unbedingt beachten und befolgen: Bleibt auf dem Weg, führt den Hund an der Leine und rennt nicht. Weder euer Hund, noch ihr solltet Abstand zu Viehherden und den Herdenschutzhunden einhalten. Beim ersten Mal war das für uns ein wenig aufregend, aber die Hunde haben uns genau beschnuppert und eskortiert. Da wir allerdings exakt auf dem Wanderweg geblieben sind, hatte diese “Herdenpolizeistaffel” nichts an uns auszusetzen und trottete auch wieder von dannen, als wir die Herde hinter uns gelassen hatten.
4. Wohnmobil für die Schweiz mieten: Das solltet ihr beachten
Wir waren in der Schweiz mit einem Alkoven-Wohnmobil unterwegs, wo zwei Erwachsene, zwei Jugendliche und ein Hund bequem Platz gefunden haben. Sehr praktisch und unglaublich gemütlich ist die Bettnische über der Fahrerkabine.
Am besten nutzt ihr den Preisvergleich von CamperDays, um das passende Wohnmobil für eure Reise zu finden. Ihr könnt entweder in einer Stadt in der Schweiz starten oder in Deutschland losfahren. Der Vorteil: Ihr könnt schon in Deutschland einkaufen gehen, was oft etwas günstiger ist. Eventuell fallen aber Kosten für die Überquerung der Landesgrenze an.
Nicht vergessen: Checkt bei eurer Buchung, ob Hunde im Wohnmobil erlaubt sind (möglich über einen Filter). Wenn ihr in der Schweiz freistehen möchtet, dann ist ein Wohnmobil mit einer eigenen Toilette und einem Frischwassertank wichtig. Auch nach dieser Ausstattung könnt ihr bei CamperDays ganz entspannt filtern.





