StartseiteRatgeberBarrierefrei reisen: behindertengerechte Wohnmobile

Barrierefrei reisen: behindertengerechte Wohnmobile

von Alex
0 Kommentar
Wohnmobil parkt auf barrierefreiem Campingplatz.

Wer verreist, möchte gern ein höchstmögliches Maß an Freiheit und Flexibilität genießen können – das gilt selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung. Mit der richtigen Ausstattung können Menschen mit Behinderung selbstbestimmter verreisen und dabei die wahren Vorteile des Campingurlaubes genießen: die Naturverbundenheit, den Urlaub in Eigenregie und das entspannte Miteinander auf dem Campingplatz.

Symbol Info Was bedeutet barrierefrei?
Die Bezeichnung „barrierefrei“ bezieht sich in den meisten Fällen darauf, dass der Campingplatz für Menschen mit einer Gehbehinderung zugänglich ist. Bei der Weiterentwicklung barrierefreier Campingplätze ist es allerdings wichtig, auch Barrieren abzubauen, die nicht mit Mobilität zusammenhängen. Zum Beispiel: Hinweisschilder oder Infotafeln können durch eine kontrastreiche Gestaltung oder die Ergänzung von Informationen in Brailleschrift für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder einer Sehbehinderung sehr hilfreich sein.
Campingfahrzeug mit Rollstuhllift parkt auf einer Wiese mit einer Berglandschaft im Hintergrund.

© 24K-Production – stock.adobe.com

Welche Voraussetzungen sind für barrierefreies Camping nötig?

Um einen barrierefreien Urlaub für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder einer Gehbehinderung zu ermöglichen, müssen mehrere Voraussetzungen grundsätzlich gegeben sein:

  • Die Transportmöglichkeit zum Reiseziel muss behindertengerecht sein.
  • Die Unterbringung am Reiseziel muss barrierefrei sein.
  • Freizeitaktivitäten können barrierefrei gestaltet werden: z. B. der Zugang zu Stränden, rollstuhlgerechte Wanderwege.

In Bezug auf den Campingurlaub bedeutet das, dass sowohl das Wohnmobil als auch der Campingplatz keine Barrieren aufweisen sollten. Einerseits soll die Reise zum Campingplatz so komfortabel wie möglich sein, andererseits soll es Rollstuhlnutzern möglich sein, das Gelände des Campingplatzes ohne Schwierigkeiten zu erkunden. Wer im Urlaub nicht ausschließlich darauf aus ist, die Seele baumeln zu lassen, sollte sich zudem erkundigen, ob barrierefreie Freizeiteinrichtungen zur Verfügung stehen oder ob Ausflugsziele in der Nähe des Platzes auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sind.

Welche Ausstattung braucht ein rollstuhlgerechtes Wohnmobil?

Mit einem speziell angepassten Wohnmobil ist barrierefreies Reisen für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung ohne Probleme möglich. Für Camper, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, gibt es generell zwei Möglichkeiten:

  • Ein Wohnmobil barrierefrei umbauen: Der größte Vorteil dabei ist, dass das Wohnmobil individuell auf die Bedürfnisse einzelner Personen angepasst werden kann und keine Kompromisse bei der Ausstattung gemacht werden müssen.
  • Ein behindertengerechtes Wohnmobil mieten: Diese Option lohnt sich vor allem für Urlauber mit einer Beeinträchtigung, die erst einmal ausprobieren möchten, ob ihnen der Urlaub im Wohnmobil gefällt. Außerdem sind die Kosten für ein gemietetes Wohnmobil natürlich geringer als bei einem Kauf.

Grundsätzlich muss ein rollstuhlgerechtes Wohnmobil über dieselben Anpassungen verfügen wie barrierefreie Wohnungen oder Häuser. Die Grundanforderungen sind:

  • Zugang zum Wohnmobil über Rampe oder Lift
  • verbreiterte Türen (ca. 90 cm)
  • breiterer und befahrbarer Innenraum
  • Anpassungen der Fahrerkabine (z. B. Fahrersitz oder Steuerung)
  • barrierefreie Nasszelle (befahrbare Toilette und Dusche mit Transferhilfen)
  • rollstuhlgerechte Anpassungen des Wohnraums (z. B. Betten und Küchenzeile)

Fahren im rollstuhlgerechten Wohnmobil

Ein behindertengerechter Umbau der Fahrerkabine muss Rollstuhlnutzern eine sichere Fahrt ermöglichen – entweder als Passagier oder als Fahrer. Das eigenständige Fahren des Wohnmobils kann z. B. durch folgende Anpassungen der Fahrzeugsteuerung ermöglicht werden:

  • Automatik- statt Schaltgetriebe
  • Handbedienung für Gas- und Bremspedale
  • Einstiegshilfen in die Fahrerkabine
  • Transferhilfen vom Rollstuhl auf den Fahrersitz

Wichtig für Rollstuhlnutzer als Mitfahrer ist ein sicheres Rollstuhlrückhaltesystem, bei dem der Rollstuhl sicher am Boden des Wohnmobils befestigt und außerdem mit Spanngurten gesichert wird.

Nasszelle im barrierefreien Wohnmobil

Eine barrierefreie Toilette und Dusche sind das A und O im rollstuhlgerechten Wohnmobil – das bedeutet, der Badezimmerbereich sollte ebenerdig und befahrbar sein. So können sich Rollstuhlnutzer sicher sein, jederzeit behindertengerechte Sanitäranlagen zur Verfügung zu haben. Folgende Ausstattung ist in der barrierefreien Nasszelle wichtig:

  • Haltegriffe oder -stangen als Transferhilfen
  • komfortable Sitzhöhe des WCs
  • unterfahrbares bzw. ausziehbares Waschbecken
  • befahrbare Dusche (mit Duschrollstuhl) oder Duschklappsitz
  • Spiegel in angemessener Höhe

Innenausbau im barrierefreien Wohnmobil

Selbstverständlich ist ein barrierefreies Reisemobil nicht ausschließlich ein Transportmittel, sondern auch die Wohnumgebung für die Dauer des Campingurlaubs. Daher muss der Wohnraum ebenfalls über rollstuhlgerechte Anpassungen verfügen. Dazu zählen:

  • unterfahrbare Tische/Küchenzeile
  • Geräte und Schalter in erreichbarer Höhe
  • ein- und ausklappbare Sitzbänke/Tische
  • große Betten mit Platz für Transfers bzw. Transferhilfen
Symbol Info Behindertengerechte Wohnmobile rechtzeitig buchen
Die Suche nach dem richtigen Reisemobil ist einer der wichtigsten Teile der Vorbereitung auf den Campingurlaub. Da die Nachfrage nach barrierefreien Wohnmobilen derzeit größer ist als das tatsächliche Angebot, ist eine frühzeitige Recherche und Buchung ratsam.

Woran erkenne ich einen barrierefreien Campingplatz?

Durch einen barrierefreien Campingplatz kann ermöglicht werden, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität ihren Urlaub im Wohnmobil optimal genießen können. Schließlich möchte niemand seinen Aufenthalt ausschließlich im Reisemobil verbringen. Behindertengerechte Campingplätze müssen verschiedene Anforderungen erfüllen, um allen Besuchern einen barrierefreien Urlaub zu ermöglichen:

  • Wichtige Einrichtungen des Campingplatzes wie Rezeption, Supermärkte oder Restaurants sind barrierefrei angelegt. Dazu zählt, dass die Eingänge stufenlos sowie Türen und Gänge breit genug für einen Rollstuhl sind.
    Die Wege zwischen den einzelnen Einrichtungen des Campingplatzes sind mit dem Rollstuhl befahrbar, möglichst kurz und ebenerdig.
  • Einrichtungen, die nicht ebenerdig angelegt sind, verfügen über eine Rampe oder einen Lift.
    Park- oder Stellplätze sind auf behindertengerechte Wohnmobile ausgerichtet.
  • Der Campingplatz verfügt über behindertengerechte Sanitäranlagen (auch innerhalb bestimmter Anlagen, z. B. Restaurants). Die Sanitäreinrichtungen des Campingplatzes sind rollstuhlgerecht angepasst, also ebenerdig, geräumig und mit Haltegriffen oder Stangen ausgestattet.
  • Komforteinrichtungen und Gemeinschaftsanlagen wie Schwimmbäder, Sauna- oder Wellnessbereiche und auch Spielplätze verfügen ebenfalls über einen barrierefreien Zugang.
Rollstuhlfahrer nutzt barrierefreie Wege auf einem Ausflug in der Natur.

© 24K-Production – stock.adobe.com

Barrierefreie Campingplätze finden

Auf vielen Campingplatz-Portalen können Urlauber direkt nach barrierefreien Campingplätzen suchen. Über welche Ausstattung der Campingplatz verfügt, kann je nach Webseite herausgefiltert oder in der Detailbeschreibung nachgelesen werden.

Folgende Portale listen barrierefreie Campingplätze in Deutschland und Europa:

Des Weiteren gibt es auch nützliche Apps für die Suche nach barrierefreien Campingplätzen, wie z. B.:

Die verschiedenen Webseiten und Apps können die Suche nach einem barrierefreien Campingplatz erleichtern, da ihre erweiterten Filtermöglichkeiten einen ersten Einblick in die behindertengerechte Ausstattung ermöglichen. Idealerweise bezieht sich das nicht nur auf das Vorhandensein behindertengerechter Sanitäranlagen oder barrierefreier Gemeinschaftsanlagen, sondern beschreibt auch genaue Ausstattungsmerkmale. Diese detaillierten Filteroptionen bieten z. B. die ACSI Camping-Apps.

Symbol Info Sicher ist sicher
Im Zweifelsfalle kann ein Anruf beim Campingplatzbetreiber Klarheit darüber schaffen, ob z. B. nur die Sanitäranlagen und die Rezeption barrierefrei sind oder ob auch Gemeinschaftsbereiche für Rollstuhlfahrer zugänglich sind.

Fazit: Barrierefrei reisen mit dem Wohnmobil

Campingurlaub muss für Menschen mit einer Behinderung kein Traum bleiben: Mit der richtigen Ausstattung kann ein Urlaub im Wohnmobil eine gute Alternative zu Pauschalurlauben mit Bus, Bahn oder Flugzeug sein. Ein rollstuhlgerechtes Wohnmobil und ein barrierefreier Campingplatz machen einen unbeschwerten Urlaub möglich. Die Anforderungen an ein barrierefrei umgebautes Wohnmobil sind dabei dieselben, die auch im heimischen Wohnraum nötig sind – von niedrigen Schaltern und breiten Türen bis zum rollstuhlgerechten Badezimmerbereich. Zusätzliche Ausstattung wie etwa eine komplett elektronische Umfeldsteuerung machen den Campingurlaub noch sicherer und komfortabler. Beim Campingplatz ist es wiederum wichtig, dass der Platz nicht nur im Sanitärbereich, sondern auch in wichtigen Einrichtungen und Gemeinschaftsanlagen barrierefrei gestaltet wurde. So wird garantiert, dass der Campingurlaub auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein Genuss ist und nicht zu einem unfreiwilligen Abenteuer wird.

Titelbild: 405085865 | © www.push2hit.de – stock.adobe.com

0 Kommentar

Weiterlesen

Schreibt uns!