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Wildcampen in Neuseeland – ist das erlaubt?

von CamperDays-Redaktion
4 Kommentare
Sonnenuntergang Wildcampen Neuseeland

Letztes Update: 22. August 2019

Die weiten, unberührten Landstriche Neuseelands und die vielerorts spürbare Abgeschiedenheit sind wie geschaffen für freiheitsliebende Urlauber, die der Natur besonders nahe kommen möchten. Doch: Leider ist Wildcampen in Neuseeland mittlerweile in den meisten Regionen grundsätzlich verboten. Wie Sie trotzdem so naturnah wie möglich campen können und welche Voraussetzungen Ihr Wohnmobil dafür erfüllen muss, haben wir für Sie zusammengetragen.

Wildcampen in Neuseeland – ist das erlaubt?
1. Voraussetzungen für Freedom Camping
2. Benötigte Dokumente 
3. Stellplätze fürs Wildcamping vs. non self contained
4. Richtiges Verhalten

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1. Freedom Camping in Neuseeland – die Voraussetzungen

Badezimmer im Wohnmobil inklusive WC und Dusche

Wer in Neuseeland wild campen möchte, kann dies nicht ohne Weiteres nach Belieben tun. Leider hat das Verhalten einiger Camper in den letzten Jahren dazu geführt, dass das Land der Kiwis seine Regelungen hinsichtlich des freien Campens deutlich verschärft hat. Es gibt viele Regionen, an denen freies Übernachten strengstens verboten ist – Verstöße werden mit empfindlich hohen Geldbußen geahndet, hier versteht der Neuseeländer zu Recht keinen Spaß. Aber keine Sorge: Es gibt nach wie vor Stellplätze für Freedom Camping, auf denen Sie mitten in der Natur stehen dürfen. Hierfür wird meist ein Fahrzeug mit unabhängiger Versorgung bzw. Self Containment benötigt. Was heißt das im Detail?

Per Definition durch den New Zealand Standard 5465:2001 (kurz: NZS 5465) verfügt ein Wohnmobil dann über eine unabhängige Versorgung, wenn der Frischwasser-Vorrat sowie der Abwasser- und Schmutzwasser-Tank für mindestens drei Tage ausreichen. Dabei gelten die folgenden Angaben:

Mindestkapazität (pro Tag + pro Person)Mindestkapazität (gesamt pro Person)
Frischwasser4 l12 l
Abwasser-Tank*4 l12 l
Schmutzwasser-Tank (WC)1 l3 l

Stand: 08/2019, Angaben ohne Gewähr.
*Ist der Abwasser-Tank kleiner als der Frischwasser-Tank, muss die Möglichkeit bestehen, die Kapazität des Abwasser-Tanks zu überwachen, beispielsweise durch eine elektronische Anzeige.

Symbol Hinweis HINWEIS
Sie sollten beachten, dass eine mobile Toilette nicht ausreicht, selbst wenn diese allen Fahrgästen über drei Tage hinweg ausreichend Kapazität bietet.

Darüber hinaus muss das Wohnmobil für das Wildcampen in Neuseeland über folgende Ausstattung verfügen:

  • eine Spüle
  • einen Entsorgungsschlauch für Abwasser
  • ein mit Deckel verschließbarer Abfalleimer

Verschärfte Regelungen: Seit September 2017 müssen Camper in Neuseeland eine Toilette mitführen, deren Kapazität für mindestens 3 Tage ausreicht und jederzeit im Fahrzeuginneren zugänglich und benutzbar sein muss. Konkret bedeutet das: Auch während der Fahrt oder bei aufgebautem Bett muss die Toilette für alle Reisende benutzbar sein. Zu Camper umgebaute Vans werden aus Platzmangel also nicht mehr zugelassen. Entgegen vieler Meinungen sind aber nach wie vor portable Toiletten ohne Wasserspülung erlaubt.

2. Wildcampen in Neuseeland – Benötigte Dokumente laut NZS 5465

Sind die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, muss dies von offizieller Stelle zertifiziert werden. Dafür benötigen Sie:

  • ein umfassendes „self containment“-Zertifikat, das immer im Fahrzeug mitgeführt werden muss,
  • einen “self containment warrant”-Sticker, der an die linke Innenseite der Frontscheibe geklebt wird, sowie
  • einen “self containment”-Sticker, der am Heck des Fahrzeugs (rechte, untere Ecke des Heckfensters oder an der Stoßstange) angebracht werden muss.

Übernachtung mitten in der Natur Neuseelands

Für Besitzer eines Wohnmobils

Die entsprechenden Dokumente erhalten Sie nach bestandener Inspektion, beispielsweise durch registrierte Wasserinstallateure und Klempner. Die sogenannten Self Containment Officers, die im ganzen Land freiwillig für die New Zealand Motor Caravan Association (NZMCA – nur für Mitglieder!) tätig sind, dürfen die Zertifikate ebenfalls ausstellen.

Die Inspektion und Ausstellung des Zertifikats über die NZMCA kostet Privatbesitzer eines Wohnmobils derzeit insgesamt 30 $ (+ GST) (Stand: 07/2018) und ist für vier Jahre gültig. Die Ausstellung des Zertifikats erfolgt meist binnen weniger Werktage nach erfolgreicher Prüfung.

Symbol Hinweis HINWEIS
Einige der Officers arbeiten unter ihrer gewöhnlichen Installateur-Lizenz und berechnen eine entsprechende Zusatzgebühr. Um das zu vermeiden, sollten Sie den Officer vorab fragen, ob zusätzliche Kosten erhoben werden und im Zweifel einen anderen Inspekteur aufsuchen.

Für Urlauber mit dem Mietwohnmobil

Natürlich müssen Sie nicht zwingend ein eigenes Wohnmobil besitzen, um in Neuseeland Stellplätze fürs Freedom Camping nutzen zu dürfen. Zahlreiche Vermieter verfügen über entsprechend zertifizierte Fahrzeuge.

Grundsätzlich gilt, dass beispielsweise alle Fahrzeuge von Mighty, Britz und maui “self contained” sind, solange diese mit einer Dusche und einem WC ausgestattet sind. Auch bei Apollo, Star RV, Cheapa Campa und JUCY ist ein Großteil der Fahrzeuge mit WC und Dusche für Freedom Camping in Neuseeland geeignet.

maui self contained Wohnmobil in Neuseeland

Symbol Tipp TIPP
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Wunschcamper zertifiziert ist, rufen Sie uns einfach unter 0049 (0) 221 13790 120 an – wir prüfen gerne, ob das Fahrzeug über die nötigen Plaketten verfügt und suchen bei Bedarf ein passendes Modell für Sie! Alternativ können Sie auf unserer Webseite Ihre Suche entsprechend anpassen und den Filter “Garantiert Self-Contained” setzen.

Freedom-Camping-Stellplätze mitten in der Natur finden (self contained)

Da das Wildcampen in Neuseeland immer unerwünschter wird, unterliegt es – je nach Region und Abgeschiedenheit – strengen Kontrollen. Dennoch gibt es über das ganze Land verteilt wilde, aber gepflegte Stellplätze, auf denen das Freedom Camping durchaus gestattet ist. Rankers hat eine Übersichtskarte mit Freedom Camping Spots in Neuseeland erstellt, auf der Sie nach einem geeigneten Platz suchen können. Alternativ eignet sich auch die App Camper Mate, um Stellplätze zu identifizieren.

Hierbei handelt es sich meist um ausgewiesene Plätze in Gemeinden oder Nationalparks, die über kein WC verfügen – deswegen sind nur self-contained Wohnmobile erlaubt. Aber: Das Campen muss eindeutig durch ein Schild erlaubt werden, ansonsten ist es verboten!

Symbol Tipp Wildcamping in Neuseeland auf Privatgrundstücken
Bei Unsicherheiten nachfragen!
Wenn Ihnen die Self Contained Stellplätze nicht wild genug sind, können Sie auch auf einigen ausgewiesenen Privatgrundstücken campen. Auch hier gilt aber: Ein Schild muss das Wildcampen explizit erlauben. Privatgrundstücke, auf denen das freie Campen erlaubt ist, finden Sie über die App okay2stay.

Alternative zum Wildcamping: DOC Campingplätze (non self contained)
Wenn Ihr Fahrzeug nicht über ein „self containment“-Zertifikat verfügt, Sie der Natur aber trotzdem so nahe wie möglich kommen möchten, gibt es tolle Alternativen. So betreibt das Department of Conservation (kurz: DOC) hunderte öffentliche Campingplätze mitten in der Natur. In der Regel verfügen diese Campingplätze mindestens über ein WC. Dabei werden vor allem drei Kategorien unterschieden:

  • Basic
  • Standard
  • Serviced

Basic Campinggrounds sind meist kostenlos, allerdings ist die Ausstattung hier auf ein Minimum beschränkt (beispielsweise Toiletten und Wasser aus einem Tank). Campingplätze der Kategorien Standard und Serviced bieten deutlich mehr Komfort, können aber bis zu 21 $ pro Person und pro Nacht kosten.

Wenn nicht anders ausgeschildert, sind auf den DOC-Plätzen auch Fahrzeuge ohne unabhängige Versorgung gestattet. Im Vorfeld können Sie übrigens nur die Serviced Plätze reservieren, bei den beiden anderen gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

“leave no trace” – richtiges Verhalten beim wilden Campen

Beim Freedom Camping steht Nachhaltigkeit und der Erhalt der neuseeländischen Natur an vorderster Stelle. Ein angemessenes, respektvolles Verhalten hilft dabei, die Schönheit sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren. Die folgenden Regeln sollten Sie unbedingt einhalten:

  • Verlassen Sie Ihren Übernachtungsplatz immer genau so wie sie ihn vorgefunden haben – jeglicher Abfall muss ordnungsgemäß entsorgt oder sogar mitgenommen werden. Schäden an der Natur sollten nach größtem Bemühen vermieden werden. “Leave no trace” (“hinterlasse keine Spuren”) lautet hier das höchste Gebot.
  • Zum Duschen und für den Gang zur Toilette sollten Sie immer die sanitären Einrichtungen in Ihrem Fahrzeug oder auf dem Stellplatz (falls vorhanden) nutzen. Auf keinen Fall sollten Sie Schmutz- und Abwasser einfach in der Natur entsorgen – für diesen Zweck müssen eigens dafür vorgesehene Dumping-Stationen verwendet werden.
  • Viele Felder, Wiesen und Weiden befinden sich zwar in traumhafter Naturlage, sind jedoch in Privatbesitz – ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Besitzers sollten Sie hier nicht übernachten.
  • Einige Bereiche sind mit “No Camping”-Schildern gekennzeichnet. Auch hier ist das Übernachten nicht gestattet.
  • Feuer darf nur an entsprechend gekennzeichneten Stellen entfacht und muss vor der Abreise vollständig gelöscht werden.

Camper mit Lagerfeuer nachts in Neuseeland

Für weiterführende Informationen zum Thema Wildcamping in Neuseeland empfehlen wir Ihnen die offiziellen Webseiten des Ministry for the Environment sowie der New Zealand Motor Caravan Association Inc. Auf unserem Blog können Sie sich auch über das Wildcamping in anderen Ländern informieren.

Symbol Tipp TIPP
Bei Unsicherheiten nachfragen!
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einen Rat mit auf den Weg geben: Sie sind in Neuseeland keinesfalls auf sich allein gestellt. Nicht nur zahlreiche Campingurlauber und Einwohner helfen Ihnen bei Fragen gerne weiter.
Möchten Sie sich über aktuelle Hinweise und Regelungen erkundigen, stehen Ihnen über das ganze Land verteilt mehr als 80 i-SITE-Besucherzentren zur Seite. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wo Sie vor Ort übernachten dürfen oder welche Regelungen es zu beachten gilt, nutzen Sie diesen Service! Dies ist insbesondere deshalb wichtig und empfehlenswert, weil sich Gesetze regional stark unterscheiden können.

Hinweis: Alle Angaben in diesem Artikel sind trotz sorgfältiger Recherche ohne Gewähr.

Bilder: © maui / © Britz

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4 Kommentare

Isabel18. Februar 2018 - 20:56

Hallo! Das ist eine tolle Homepage – danke für die vielen Infos! Die helfen bei der Planung ungemein weiter! Wir planen eine 3-wöchige Campertour auf der Südinsel im August und fragen uns, ob denn auch alle Camping Sites im Winter geöffnet sind. Wie und wo findet man denn da eine Übersicht? Es wurde mal in den Kommentaren eine App erwähnt – wie heißt diese App? Vielen Dank für die Hilfe :-)!

Antwort
Alex19. Februar 2018 - 9:27

Hallo Isabel,

vielen Dank, das freut uns sehr 🙂
Zur ersten Frage: Die meisten neuseeländischen Campingplätze haben das ganze Jahr über geöffnet. Generell würden wir im August eher zu einem Stellplatz mit Stromanschluss raten, damit ausreichen geheizt werden kann. Gerade auf der Südinsel kann es zudem sein, dass manchen Campingplätze im Winter nicht erreichbar sind, weil die Zufahrtsstraßen witterungsbedingt gesperrt sind. Also am besten im Vorfeld schon ein paar Campingplatz-Optionen raussuchen, dann klappt’s bestimmt!
Zur zweiten Frage: Eine der besten Stellplatz-Apps für Neuseeland ist CamperMate. In unserem Artikel zu den Stellplatz-Apps gibt’s mehr Infos.

Viele Grüße
Alex von CamperDays

Antwort
T11. September 2017 - 0:03

Wow, das klingt ja verdammt kompliziert, wenn wir das gewusst hätten, wären wir nieeemals in das wunderbare Land der weißen Wolke gereist.

Wir sind deutsche Beamten-Spießer mit zwei kleinen Kindern und haben es bis auf drei von 49 Nächten immer geschafft mit unserem Certified Self Contained (ja, zugegeben, ohne ist schwierig) Van von einem kleinen sympatischen Anbieter, legal für lau in der Hauptsaison zu übernachten.

Für unsere Jungs und uns war es so entspannter, als Rücksicht auf die Campingplatznachbarn zu nehmen.

Leute, das geht, holt euch eine Camper-App im www. und haltet die Augen offen. Dann noch den Kopf an und natürlich (!) keinen Dreck machen und niemanden stören.

PS: zu den ISites: Die Leute dort kennen sich richtig gut vor Ort aus und haben tolle Tipps für alles möglich, sind dazu noch supergeduldig, freundlich, entspannt (Kiwis eben), aber sie werden euch keinen Platz empfehlen, an dem man gaanz alleine und romantisch die Nacht verbringen kann. Ist ja logisch, dann ist es ja nicht mehr alleine und romantisch.

Die DOC-Plätze sind mittlerweile etwas teurer geworden, fast alle kosten zumindest eine Kleinigkeit (ab 8 Dollar pro Person), dafür kümmert sich Herr DOC auch liebevoll um Plätze, Schilder und Wanderwege.

Gute Reise und KIA ORA

Antwort
Alex14. September 2017 - 7:27

Hallo T,

vielen Dank für das Teilen Ihrer Neuseeland-Erahrungen! Genauso ging es uns auch, als wir 2014 mit dem Camper in Neuseeland unterwegs waren. Die Menschen dort sind unglaublich hilfsbereit und wenn man sich informiert und rücksichtsvoll verhält, ist Wildcamping kein Problem.

Die im Artikel beschriebenen Regelungen und Einschränkungen sollen auf keinen Fall abschrecken, sondern zukünftigen Neuseeland-Reisenden alle wichtigen Infos an die Hand geben. Mit einem Certified-Self-Contained-Fahrzeug findet man viele wunderschöne Gratis-Stellplätze … man darf sich aber eben auch nicht überall einfach hinstellen.

Vielen Dank auch für den Input zu den DOC-Campingplätzen. 2014 war es tatsächlich gar nicht schwer, kostenlose DOC-Plätze zu finden. Aber selbst 8 Doller ist ja noch recht günstig.

Viele Grüße
Alex von CamperDays

Antwort

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