Camping in der Schweiz mit Hund und Wohnmobil

von Alex
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Hund schaut aus der Tür eines Wohnmobils

Camping in der Schweiz – aber diesmal mit Hund! Unser Kollege Frieder war schon of mit dem Wohnmobil in den Alpen unterwegs. Diesmal war jedoch auch das jüngste Familienmitglied das erste Mal dabei und es gab jede Menge neue Erfahrungen. Aber lest selbst!

Das erste Mal soll es mit unserem knapp neun Monate alten Golden Retriever Johnny in die Alpen gehen, und das im Wohnmobil. Viele andere Hundehalter haben Urlaub mit Wohnmobil und Hund empfohlen. Wir haben uns im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht, damit der erste Alpen-Camp-Urlaub mit vierbeinigem Familienmitglied erholsam und spaßig für alle beteiligten wird.

Tipps für die Wohnmobil-Buchung mit Hund

Am Anfang der Planung steht natürlich die Buchung eines Miet-Wohnmobils. Bitte unbedingt bei der Reservierung mit anfragen, ob die Nutzung mit Hund gestattet ist. Denn es gibt Allergiker, an die der Vermieter auch nach einer gründlichen Reinigung solche Wohnmobile im Anschluss nicht mehr vermieten kann. Einige Vermieter verlangen auch einen Aufpreis für die Endreinigung. Bei Johnnys Hundehaar-Anfall können wir das irgendwo auch verstehen.

Wir waren zu viert mit 3 Erwachsenen und 1 Kind in einem Alkoven-Wohnmobil unterwegs. Das ging mit viel Toleranz und Über-den-Hund-steigen ganz gut. Auch bei weniger Reisenden ist ein größeres Fahrzeug (Teil-integriert oder Alkoven) ratsam. Denn auch bei zwei Menschen kann das deutlich geringere Platzangebot in einem VW-Bus oder Kastenwagen Konflikte auslösen und sich auf die Urlaubslaune auswirken.

Hund schläft auf dem Boden eines Wohnmobils

Einen passenden Schlafplatz sucht sich der Hund im Wohnmobil fast immer selbständig.

Der Hund kann im Wohnmobil wie im PKW mit einem Geschirr und einem Anschnall-Adapter gesichert werden. Denkt daran, dass dafür ein separater Anschnaller belegt wird (die meisten Alkovenwohnmobile haben 6 Anschnaller, bei allen anderen Wohnmobilen sind es meist nur 4). Eventuell kann man auch mit Zurrgurten einen Adapter bauen.

Eine längenverstellbare 70cm-Hunde-Anschnallhalterung mit einem Zurrgurt war ideal für uns. So konnte der Hund, egal wo er sich für die Fahrt niedergelassen hatte, gut gesichert werden und bequem liegen. Diese Anschnallhalterungen gibt es nur im Tierfachhandel, nicht beim Wohnmobilvermieter.

Das Wichtigste am Anfang: kurze Anreise

Leider wohnen wir ein Stück von der Schweiz und den Alpen weg, daher muss man erstmal hinkommen. Da unser Hund Johnny noch nicht an längere Fahrten mit dem Wohnmobil gewöhnt ist, haben wir uns an Zielen orientiert, die von unserem Wohnort Frankfurt am schnellsten erreichbar sind. Mit der absolut empfehlenswerten App Stellplatz-Radar haben wir im Montafon in Vandans (Talstation Golmbahn) einen schnell erreichbaren, praktischen Seilbahn-Parkplatz als erstes Ziel gefunden.

Akklimatisierung in den Bergen

Bei einem Bergurlaub müssen sich Flachlandbewohner erst an die geänderte Höhenlage gewöhnen, das gilt für Menschen genauso wie für Hunde und andere Tiere. Frankfurt am Main liegt auf ca. 100 Meter über dem Meer, viele Bergdörfer und Stellplätze befinden sich auf 1000, 1500 oder 2000 Meter über dem Meer.

Das spüren Mensch und Tier. Die ersten Tage daher keine zu großen Bergtouren einplanen und kurze Eingehtouren machen (max. 5 Kilometer/500 Höhenmeter). Habt dabei ein genaues Auge auf euren Hund: wie verhält er sich in den Bergen? Ist er schnell erschöpft, legt er sich öfter hin? Rennt er mehr oder weniger im Vergleich zu normalen Gassi-Spaziergängen zu Hause? Wenn er ruhiger wirkt, ist die Akklimatisierung im Gange und ihr müsst noch etwas Geduld haben. In der Regel hat sich der Hund nach 2–3 Nächten an die Höhe gewöhnt. Wir haben bei unserem Johnny nach zwei Tagen gesehen, dass er immer 50-100 m vorausgelaufen ist, dann zurückkam und den Kopf schief gelegt hat: “Wann kommt ihr denn?”. Da wussten wir, dass er auch am Berg seine volle Leistungsfähigkeit erreicht hat.

Mit Hund im steilen Berg-Gelände

Es war unser erster Bergurlaub mit Johnny. Wir waren daher auch skeptisch, wie er sich im abschüssigen Berggebiet macht und welche Situationen gefährlich werden können. Es gibt keine allgemeine Antwort darauf, wie man den Hund sicher aus den Bergen zurückbringt, außer: langsam und einfach beginnen, das Tier genau beobachten. Während der kurzen Akklimatisierungswanderungen haben wir schon gestaunt, wie geschickt sich der Hund auf allen Wanderwegen verhalten hat.

Auf einer sicheren, geneigten Wiese hat Johnny seiner Freude Ausdruck verliehen und ist wie ein Blitz hin und her gerannt. Als der Wanderweg schmaler wurde und es auf der einen Seite zu einer Schlucht steil bergab ging, verhielt sich der Hund automatisch viel vorsichtiger. Generell kann man davon ausgehen, dass er mit seinen vier Beinen, Fußballen, Krallen und geringem Körpergewicht im ausgesetzten Gelände besser klarkommt als wir Menschen.

Hund auf einem Wanderweg in den Schweizer Alpen

Wir sind am Schluss weiß-rot-weiße Wanderwege auf bis zu 3000 m mit dem Hund problemlos gelaufen und hatten keine Situation, bei der wir Angst vor einem Absturz hatten. Perfekte Voraussetzungen für Camping mit Hund und Wohnmobil in der Schweiz!

Manchmal können Steighilfen wie Stifte, Leitern oder Gitterroststeige auftauchen, die es dem Menschen leichter machen, für den Hund aber die Passage erschweren oder unmöglich machen. Wenn der Hund diese nicht sicher umgehen kann (auf vier Beinen ist das oft möglich), solltet ihr keine Hemmungen haben, die Wanderung abzubrechen und umzukehren. Sonst kann schnell eine gefährliche Situation entstehen.

An die Leine oder nicht?
Wir haben auf engen Bergwegen und ausgesetzten Stellen den Hund immer abgeleint. Denn die Gefahr, dass der Hund den führenden Menschen mit einer schnellen Bewegung aus dem Gleichgewicht bringt, darf nicht unterschätzt werden. Natürlich kann einem auch in solchem Gelände ein anderer Hund begegnen, was ein kurzes Anleinen nötig macht. Dies müsst ihr im Einzelfall abwägen. Auf Viehweiden und Schutzgebieten kann Leinenpflicht vorgeschrieben sein, das ist aber normalerweise eher auf breiteren Wegen der Fall. Wo es steil und ausgesetzt ist, ist oft kein Weidebetrieb mehr.

Weidevieh: Begegnungen mit Kühen und Jungtieren

Wenn Viehweiden passiert werden, gehört der Hund selbstverständlich an die kurze Leine. Kühe können, obwohl man ihnen es nicht ansieht, mit bis zu 40 km/h auf einen Hund zulaufen, den sie instinktiv dem bedrohlichen Wolf zuordnen. Besonders heikel wird es, wenn sich Muttervieh mit seinen Jungtieren auf der Weide befindet. Dann sind die Muttertiere noch wachsamer und im Zweifel auch aggressiver.

Die wichtigsten Tipps

  • Hund an der kurzen Leine
  • alles Vieh mit min. 20 m umgehen, auch wenn diese sich auf dem eigentlichen Wanderweg aufhalten
  • schnell laufen, sodass die Begegnung kurz bleibt, Pausen abseits machen
  • Weidegatter und -zäune so hinterlassen, wie sie vorgefunden wurden (offen oder geschlossen)
  • keine Selfies, Streicheleinheiten, Annäherungen an das Weidevieh, mit oder ohne Hund
  • im absoluten Notfall (Vieh greift Hund an): Hund von der Leine lasse/Leine loslassen; schnell selbst weglaufen und Hund hinterherrufen
Hund auf einem Wanderweg mit einem Hinweis zur Weidevieh-Haltung.

Mutter-Jungtier-Viehhaltung wird meistens durch solche Schilder signalisiert.

Diese Regeln gelten übrigens nicht nur für Kühe mit ihren Jungtieren. Auch Schafe gehen zum Schutz ihrer Jungen gern mal Hunde an. Und Alpakas, Yaks, Esel und natürlich Pferde werden ebenfalls vermehrt auf Almweiden gehalten.

Manche Hirten setzen zum Schutz gegen Wölfe und Bären freilaufenden Herdenschutzhunde ein. Eine Begegnung mit dem eigenen Hund (auch angeleint) kann stressig werden. Die Herden mit Schutzhund noch weitläufiger umgehen oder am besten eine Wanderung wählen, bei der man an keinen Herdenschutzhunden vorbeikommt. Alle Schweizer Gebiete mit Herdenschutzhunden kann man hier auf einer Landkarte nachsehen. Ansonsten hilft es immer, mit Menschen aus der Region zu sprechen. Wenn man nett fragt, bekommt man fast immer nette Auskunft.

Erschöpfung, Hitze, Kälte und trinken in den Bergen

Wir sind in den Schweizer Bergen deutlich mehr mit unserem Johnny gelaufen als auf den Gassitouren zu Hause. Das hat er nach der Akklimatisierung auch gut vertragen. Rekord waren 1200 Höhenmeter an einem Tag für die Menschen plus die Extrarunden, die Johnny auch ganz am Schluss der Tour noch gedreht hat.

Wie viel schafft der Hund? Das ist pauschal schwer vorherzusagen. Beobachtet euer Tier: Legt es sich öfter hin? Wie ist sein Gang? Hechelt er besonders viel?

Wir haben immer darauf geachtet, dass er seine Tagsüber-Schläfchen auch während einer Ganztages-Wanderung einhalten konnte. Das ist ein toller Grund, Wanderungen zu den vielen Almwirtschaften und Bergrestaurants zu planen, wo sich die Menschen die Zeit Kaffee, Kuchen und anderen Leckereien bestens vertreiben können. Hat der Hund seine Stunde Mittagsschlaf bekommen, ist er wieder topfit!

Denkt an ausreichend Trinken. Eine Trinkflasche mit Klappnapf war bei uns immer dabei. Aus Bergbächen, die eine gute Fließgeschwindigkeit und ein steinernes Bachbett hatten, haben wir ihn immer trinken lassen. Aus Seen und Pfützen nicht oder wenn sich Weidevieh oberhalb unseres Standorts an dem Bach befand.

Hund kühlt sich in einem Bergsee ab.

Ein Bergsee sorgt bei Hitze immer für willkommene Erfrischung. Trinken sollte der Hund aus solchen Seen besser nicht.

Denkt daran, dass in Karten eingezeichnete Bäche ausgetrocknet sein können und habt daher für den Fall der Fälle immer genug Wasser für den Hund im Rucksack.

Auch auf 2500 m Seehöhe haben wir ordentlich Hitze abbekommen. Dann ist es wichtig, regelmäßig für Pausen im Schatten zu sorgen, den Hund in Seen oder Wasserläufe laufen und spielen zu lassen und sein Fall mit Wasser zu besprenkeln. Die Verdunstung kühlt das dicke Fell auch bei der Hitze.

Zugige Kammwege, Pässe oder Joche sind für den Menschen eher unangenehm, der Hund ist da aufgeblüht und losgerannt, weil der Wind ihn erfrischt hat!

Booties für die Pfoten
Für längere Touren über felsiges Gelände oder Geröll solltet ihr Booties (Überzieher über die Pfote) oder “Verbandssocken” zumindest im Rucksack haben und euren Vierbeiner am besten schon zu Hause damit vertraut machen. Schmiert die Pfoten vorher mit einer Pfoten-Creme ein (gibt’s im Tierfachhandel). Beobachtet den Gang des Hundes genau und schaut euch in den Pausen die Zehen an. Gibt es Risse oder lahmt der Hund, muss die Felstour verkürzt oder Überzieherli angelegt werden.

Schöne Stellplätze mit Einsteigertouren mit Hund in der Schweiz und umliegenden Regionen

Tschiertschen, Tschiertschen-Praden, Plessur, Graubünden, 7064, Schweiz

Muottas Muragl, Samaden, Maloja, Graubünden, 7503, Schweiz

Luwin, Comunità montana Alta Valtellina, Sondrio, Lombardei, 23041, Italien

Staubecken Latschau, Gemeinde Tschagguns, Bezirk Bludenz, Vorarlberg, 6774, Österreich

Kurze Eingehtour zum Stausee Latschau (Österreich)

  • Stellplatz: kostenlos an der Talstation der Golmbahn, Seilbahnstraße 1, 6773 Vandans, keine Ver-/Entsorgung, kein Strom
  • Wanderung: leichte Eingehwanderung, Talstation Golmbahn – Stausee Latschau – Gasthof Sulzfluh (sehr empfehlenswert) und zurück. Am Stausee kann ein spannender Schauraum der Wasserkraftwerke besichtigt werden (kostenfrei); Strecke und Dauer: hin und zurück 8,5 km, 350 Höhenmeter, kann durch Seilbahnfahrt halbiert werden

Über den Bergen von Livigno (Südtirol)

  • Stellplätze: Camping Pemont und Campeggio Mansueto, direkt nebeneinander ab der Via Restel, Livigno; ca. 45 EUR pro Nacht; Ver- und Entsorgung sowie Strom, Waschhaus mit Duschen und Toiletten und Bar; in der Haupt- und Zwischensaison unbedingt vorab reservieren
  • Wanderung: schöne Wanderung direkt ab dem Stellplatz oder dem Zentrum von Livigno auf die Seilbahn-Bergstation Carusello 3000, über das Bergrestaurant Costaccia (leckeres Essen aber für den Hund zu laute Live-Musik); 8 km, knapp 1000 Höhenmeter; Talfahrt mit Seilbahn und zurück zum Stellplatz mit kostenlosem Ortsbus
Hunde in der Seilbahn
Die erste Fahrt in einer Seilbahn, bei der die Kabinen nicht anhalten, ist für den Hund etwas gewöhnungsbedürftig, da sie ungern in etwas bewegendes einsteigen. Wenn man zu mehreren ist, geht ein Mensch vor dem Hund in die Gondel, lockt ihn mit einem Leckerli hinein und der Hundeführende kommt hinterher. Klappte bei uns problemlos.

Auf Panoramawegen zur historischen Standseilbahn Muottas Muragl (Schweiz)

  • Stellplatz: öffentlicher Parkplatz, Via da Bernina 26, 7504 Pontresina, Schweiz; kein Camping, nur für eine Übernachtung zum Wiedererlangend der Fahrtüchtigkeit (keine Campingmöbel rausstellen etc.); Parkgebühren ca. 10 CHF pro Nacht; Toiletten tagsüber geöffnet
  • Wanderung: vom Parkplatz über Kapelle Santa Maria – Languard – Panoramaweg Berggasthof Unterer Schafberg (sehr zur Einkehr empfohlen!) – weiter auf dem Panoramaweg – Alp Muottas (auch hier kann man gut einkehren) – Bergstation Muottas Muragl; 10 km, 740 Höhenmeter

Blick über das schönste Bergdorf Graubündens (Schweiz)

  • Stellplatz: Furgglis oberhalb Tschiertschens, einfacher Stellplatz für maximal 6 Wohnmobile an einem Waldweg; Bezahlung per App (ca. 18 Euro); im Winter geschlossen; Toiletten im angrenzenden Bergrestaurant Furgglis dürfen während der Öffnungszeiten genutzt werden
  • Wanderung: ab Tschiertschen – Bleiswald – Spitze des Löser – Ruchtobel – Spitze des Güdaspitz auf 2160 m; 7,5 km, 393 Höhenmeter; Hunde sind sehr willkommen und können teilweise unangeleint laufen

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