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Mit dem Wohnmobil in der Schweiz – Wandern mit Kind

von CamperDays-Redaktion
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Wandern in der Schweiz

Mein Kollege Frieder war mit seiner Familie und dem Wohnmobil in der Schweiz unterwegs – hier ein kleiner Bericht über seine Erfahrungen.

Wie wir vor kurzem bereits berichtet haben, waren wir neulich mit dem Wohnmobil in der Schweiz – in unserem letzten Beitrag ging es um einige interessante Fahrradtouren. Das war aber nur ein Teil unserer Reise, denn wir waren auch ausgiebig wandern. Dieses Mal stehen daher schöne Wanderwege im Fokus, die auch für Familien mit Kindern geeignet sind. Häufig führte uns unser Weg an Bahnschienen entlang, sodass es für den Nachwuchs immer Abwechslung und etwas zu sehen gab. Nachfolgend ein paar unserer Eindrücke!

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Tag 1: Die Teufelsbrücke

An unserem ersten Tag war leider schon abzusehen, dass das Wetter wohl nicht so gut werden würde. Wir wagten den Versuch trotzdem und machten uns von Gurtnellen aus entlang der Gotthard-Rampe auf den Weg nach Wassen.

Nach kurzer Zeit sehen wir schon den ersten historischen Zug.

Zug zwischen Gurtnellen und Wassen

Auf dieser nur wenige Kilometer langen Strecke müssen die Züge derzeit noch über gleich drei Kehrtunnels fahren, um ausreichend Höhe zu gewinnen. Das soll sich um Weihnachten 2016 ändern, sobald der über 50 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen wird. Hier werden die Züge dann mit Tempo 250 unter den Kurven durchfahren, auf denen sie sich momentan mühsam nach oben schleppen müssen.

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile wurde der reguläre Zugbetrieb im Gotthard-Basistunnel aufgenommen. Das Mega-Projekt, das mehr als 11 Milliarden € verschlungen und den derzeit längsten Eisenbahntunnel der Welt hervorgebracht hat, ist damit zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen.

Das Wetter macht uns tatsächlich einen Strich durch die Rechnung – wir entschließen uns, nach einiger Zeit zum Wohnmobil zurückzukehren und fahren hoch bis zur Schöllenenschlucht und der historischen Teufelsbrücke, wo es auch einen kurzen Rundwanderweg gibt, der teilweise ehemalige militärische Tunnels nutzt.

Teufelsbrücke

Teufelsbrücke 2

Anschließend fahren wir zum Ziel des heutigen Tages, über den St. Gotthardpass nach Airolo, wo wir unauffällig zwischen Holzstapeln parken und übernachten (in Kürze folgt noch ein Beitrag darüber, an welchen Stellen wir etwas abseits kostenlos gestanden haben).

Tag 2: Bergkäse und Postbusse

Am nächsten Tag haben wir mit dem Wetter wieder mehr Glück und starten unsere Wanderung in Airolo, südlich des Gotthards. Hier nehmen wir die Luftseilbahn und fahren mit ihr zum Pesciüm auf 1.745 Meter Höhe, wo der wunderschöne Höhenweg Strada degli Alpi Bedretto über den Valle Bedretto führt.

Aussicht auf Airolo

Seilbahnparkplatz von oben

Die Strada führt durch verschiedene Pflanzenwelten und bietet immer wieder ganz neue Panoramen und Ausblicke:

Grüne Landschaft

Auf der Alpe Cristallina gibt es sehr leckeren Bergkäse, nur zu empfehlen! Oben genießen wir den Blick über das Bedrettotal Richtung Gotthardmassiv.

Blick über das Bedrettotal bis zum Gotthardmassiv

Wir kürzen die Wanderung ab und laufen hinunter nach Villa de Bedretto. Dort legen wir eine kleine Pause bei leckerem Eis und Cappucino ein. Der Postbus, der in der italienischen Schweiz Auto Postale heißt, bringt uns anschließend zügig zurück zum Seilbahnparkplatz, wo unser Wohnmobil auf uns wartet.

Auto Postale

Tag 3: Bergpanoramen und die steilste Standseilbahn Europas

Am nächsten Tag wandern wir von Gletsch, mit kurzem Halt an der historischen Furka-Dampf-Zahnradbahn, hinauf zum Grimselpass. Unterwegs haben wir immer einen Blick auf die Bahnstrecke und die Rangiermanöver im Bahnhof Gletsch.

Gletsch von oben

Das Wanderzeichen weist den Weg zum Totensee am Grimselpass, wo es noch viele weitere Seen zu entdecken gibt, wie wir hier bereits erwähnt haben.

Am Grimselpass

Nach einer Pause setzen wir die Wanderung bergab fort bis zum Grimselhospiz.

Grimselhospiz

Als kleine Belohnung entscheiden wir uns dazu, eine der ehemaligen Werks-Seilbahnen, die heute von Touristen genutzt werden kann, wieder hoch zur Passhöhe zu nehmen. Mit dem Postbus geht es auch von hier wieder zurück zu unserem Wohnmobil, das wir in Gletsch abgestellt haben.

Die Kraftwerke Oberhasli haben im Grimselgebiet acht Speicherseen und ein kilometerlanges Netz an unterirdischen Wasser-Druckstollen errichtet. Die neun Wasserkraftwerke produzieren bis zu 2.300 Gigawattstunden Energie – das reicht für 1,2 Millionen Menschen! 1925 wurde die Staumauer Gelmer gebaut und der Gelmersee aufgestaut.

Die Strecke ist auch für kleine Wanderer gut zu schaffen und führt uns nach etwa zwei Stunden und bei bestem Wetter an die Staumauer heran, wo wir ein Weilchen verschnaufen.

Staumauer

Kiesstrand und Bergpanorama – wo kann man schöner Pause machen?

Hier oben wartet auch wieder eine Belohnung für die Kleinen: Für den Bau des Staudamms wurde eine Standseilbahn benötigt, die heute für Touristen geöffnet ist. Sie wurde ebenfalls 1925 errichtet und ist mit einer Steigung von bis zu 106 % die steilste Standseilbahn Europas – nicht unbedingt etwas für Menschen mit Höhenangst, wie dieser Schnappschuss zeigt:

Gelmerbahn

Da für den nächsten Tag das Jungfraugebiet auf dem Plan steht und wir schon ziemlich geschafft sind, steigen wir unten wieder in unser rollendes Heim und fahren nach Zweilütschinen, wo wir die Nacht verbringen.

Tag 4: Eine spektakuläre Aussicht jagt die nächste

Unser Ziel ist an diesem Tag die Kleine Scheidegg auf ca. 2.000 Metern Höhe. Das Wohnmobil lassen wir in Zweilütschinen stehen, wo sich die Straßen nach Grindelwald und Lauterbrunnen teilen. Direkt an der Kreuzung ist das parken im Gegensatz zum Bahnhof kostenlos. Der ganze Weg vom Tal aus ist uns zugegebenermaßen aber etwas zu lang. Stattdessen lassen wir uns von der Bahn auf einer spektakulären Steilstrecke nach Wengen auf 1.200 Meter bringen. Hier beginnt unsere nächste Wanderung mit einer fantastischen Aussicht:

Aussicht von Wengen

Unfassbar, wie schön die Landschaft hier in der Schweiz ist! Wir lassen das idyllische Dörfchen, in dem es fast keinen Autoverkehr gibt, schnell hinter uns und wandern entlang der Bahn aufwärts. Das motiviert auch den Nachwuchs, da es unterwegs immer wieder Züge zu bestaunen gibt und die Rückfahrt mit der Bahn versprochen ist.

Züge auf dem Weg zur Kleinen Scheidegg

Schattiger Nadelwald

Das Wetter ist schon fast zu gut, gnadenlos brennt die Sonne auf uns herab. Zum Glück führt unser Weg immer wieder durch den schattigen Nadelwald und an vielen Brunnen vorbei – das sorgt für die nötige Abkühlung zwischendurch.

Die Aussicht, die sich uns unterwegs bietet, ist kaum zu beschreiben. Da ist zunächst das Schilthorn, das durch den James Bond Film „Im Dienste Ihrer Majestät“ mit spektakulären Ski-Szenen als „Piz Gloria“ bekannt wurde. Nicht minder schön ist der Blick, der sich uns auf Silberhorn und Jungfrau sowie den mächtigen Gletscher unterhalb bietet.

Traumhafte Aussicht auf Silberhorn

Ein bisschen später kommt auch der Eiger in Sicht und die Station des Jungfraujochs, dem höchsten Bahnhof Europas. Man kann zwar auch mit der Zahnradbahn hoch fahren, aber dann verpasst man die tolle Aussicht, daher wandern wir weiter.

Der Weg an sich ist leicht, aber fast immer steil und verlangt Geduld ab, vor allem dem kleinen Wanderer. Das Ziel, die Kleine Scheidegg, kommt erst sehr spät in Sicht, aber dadurch ist die Freude umso größer. Und der regional typische Zwetschenkuchen mit Blätterteig und Rahm schmeckt so besonders gut.

Kleine Scheidegg

Tag 5: Wir kommen wieder

Frisch gestärkt schmieden wir Pläne für unsere letzte Wanderung, die uns ins Tal des Sustenpass führen soll. An der Tällibahn in Gadmen wollen wir auf der Überquerung zur Engstlenalp wandern. Da das Wohnmobil aber auf dem Seilbahn-Parkplatz im Tal geparkt ist, wollen wir nicht in das andere Tal wechseln, sondern bis zum 2.100 Meter hohen Sätteli und dann zurück zur Trifthütte wandern. Dass wir dann mit der Seilbahn wieder nach unten wollen, freut wiederum die Kids.

Auch dieser Wanderweg ist recht steil, aber immerhin können wir wieder auf den schattigen Wald vertrauen, der uns zwischendurch vor der Mittagshitze schützt.

Wegen der Steigung legen wir schnell Höhenmeter zurück und es bieten sich immer wieder neue Ausblicke, einer beeindruckender als der andere. Beispielsweise die Aussicht auf den Titlis (dem Hausberg von Engelberg) und den mächtigen Sustenhorn. Oder ins Trifttal mit dem Triftgletscher, ebenfalls ein super Wandergebiet, aber unsere Zeit ist leider begrenzt – vielleicht beim nächsten Mal!

Blick auf Sustenpass und Titlis

Auf knapp 1.700 Metern an der Waldgrenze kapitulieren wir schließlich vor der Hitze, lassen Sätteli Sätteli sein und kürzen ab zur Tällihütte, wo uns wieder leckerster Kuchen erwartet. Der Blick auf die Speisekarte und die Fahrzeiten der Seilbahn (bis 21:30 Uhr) lassen Pläne für einen erneuten Besuch bei einem Alpen-Dinner entstehen – wer kanns uns bei dieser Kulisse verübeln, oder?

Essen an der Tällihütte

Mit der Fahrt über den Sustenpass endet unsere Tour. Wir reisen mit vielen tollen Eindrücken und noch unendlich vielen Plänen für weitere Wanderungen nach Hause!

Kennen Sie weitere schöne Wandergebiete in der Schweiz, die Sie unbedingt empfehlen können? Wir freuen uns auf weitere Inspirationen!

Alle Bilder: © CamperDays

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